Mein Praktikum in London: Die dritte Woche

Tag 15 – Eine fertige App (Montag, 15.02.)

Bezogen auf die Arbeit war der Montag vergleichsweise unspektakulär. Bin wie gewohnt gegen halb neun aufgestanden, hab mich fertig gemacht und mir zum Frühstück Toasts gemacht. Da ich niemanden sonderlich lange mit dem Kliffhänger vom Blogeintrag über die letzte Woche im Ungewissen lassen will, löse ich ihn hier gleich zu Beginn auf: Die Toasts, die ich mir als Abwechslung zur ersten Packung gekauft habe – waren zu groß für den Toaster 😀 Dies hatte zur Folge, dass der obere Teil des Toasts nie wirklich knusprig wurde, sondern nur etwas warm. Den Toast seitlich reinzustecken passt übrigens nicht, falls mir das jetzt jemand vorschlagen möchte…

Die Arbeit verlief dann wie gesagt ziemlich unspektakulär, wie schon an Montagen dran gewöhnt, war ich der erste und in der Mittagspause hatte ich die Jodel-App soweit fertig bekommen und am Abend dann auch in den Store hochgeladen.

Tag 16 – Eine fertige App und viele Probleme (Dienstag, 16.02.)

Der Dienstag wurde dann wieder etwas interessanter. Zum einen wartete ich ab, ob die App durch die QA kommen und den Store erreichen würde, was ich auch ziemlich aktiv gemacht habe (alle halbe Stunde nachschauen 😀 ). Irgendwann kam dann die Rückmeldung, dass die App es nicht geschafft hat, weil das QA-Team doof ist. Okay, die echte Begründung war, dass a) es keine Option gibt, um Ortsdienste zu deaktivieren, b) der Name der App nicht aussagekräftig ist und c) die Privacy Policy nicht korrekt ist. C) hab ich noch akzeptiert, bei a) und b) durfte sich das QA-Team dann aber von mir einen kleinen Text durchlesen, warum die Entscheidung samt Begründung schwachsinnig ist. Insbesondere bei a), wo eine solche Option zum Ausschalten der Ortsdienste für eine App doch in den Systemeinstellungen automatisch erstellt wird und dies auch genauso in den Store Policies steht.

Zum anderen hatten die Entwickler im Büro ähnliche Probleme, allerdings mit dem Apple App Store. Deren App wurde nicht akzeptiert, weil sie nicht mit dem iPhone 4S kompatibel ist, dabei haben die Entwickler extra einen Screen eingebaut, der beim Start der App darauf hinweist, dass die App mit einem iPhone 4S nicht kompatibel ist, was also bewusst geschehen ist.

Vor dem ganzen hatte ich am Morgen noch eine wichtige Aufgabe zu erledigen: Bügeln. Etwas, was ich in meiner Vergangenheit höchstens einmal gemacht hab und damals waren das auch nur ein paar Kissenbezüge. Hier hatte ich jedoch alles an Klamotten abzuarbeiten, die ich die Woche davor gewaschen hatte. Erst so spät, weil ich das in Ruhe machen wollte, sprich wenn niemand in der Wohnung ist (ich brauche zum Experimentieren meine Ruhe).
Insgesamt war das Bügel-Ergebnis ganz akzeptabel und ich war relativ zufrieden damit. Klar, meine Mutter macht das besser, keine Frage, doch für mein allererstes Bügeln waren die Hemden vergleichsweise faltenfrei und ließen sich die nachfolgenden Tage tragen – meine erste komplett selbstgemachte Wäsche… *mir selbst auf die Schulter klopf*

Für die Mittagspause hatte ich mir mal etwas Abwechslung überlegt: Zum einen hatte ich mir bei dem neu eröffneten McDonald’s einen Double Cheeseburger geholt. Dieser McDonald’s ist so ein hyper-modernes Teil, wo man nicht nur an der Theke bestellen kann, sondern auch an interaktiven Monster-Touchscreen-Monitoren. Diese erinnerten mich an mein uraltes Nokia 5800 XpressMusic, denn man musste mit ordentlich Schmackes draufdrücken und der Bildschirm brauchte gefühlt mindestens drei Sekunden, um die Eingabe zu verarbeiten. Zahlen konnte man an den Screens nur mit Karte oder Apple Pay.
Ein positives Konzept fand ich aber, dass die Bestellung unabhängig von der „Lieferung“ war, sprich es zwei Theken separat zum Bestellen und Abholen gab und man beim Warten nicht die anderen, die auch was bestellen wollten, blockierte.

Zudem hatte ich mir bei dem Laden, wo ich mir diese gekühlten Sandwiche hole, zwei davon geholt – eins als Zusatz zum Cheeseburger und eins für Mittwoch. Mit all dem im Gepäck ging es auf in den Regent’s Park, einem ziemlich großen Park relativ in der Nähe, dessen Besuch sich zeitlich und organisatorisch leider bis dahin noch nicht ergeben hatte. Aber er war es allemal wert und ich werde mich darum bemühen, da mindestens einmal die Woche vorbeizuschauen. Weil es ein, wenn auch ziemlich krasser, doch wunderschöner Gegensatz zum hektischen Stadtleben ist. Ein paar Momente, die man mal zum Abschalten und Luft holen nutzen kann…

Die Arbeit verließ ich heute erst gegen 19:15, so spät wie nie, was daran lag, dass wir Besuch von einem Herren hatte, der uns ein App-Konzept vorstellen und interaktiv ausprobieren lassen wollte. Den Abend verbrachte ich nach ein bisschen gemeinsamen TV schauen mit der Planung meines Wochenend-Trips, zumindest ansatzweise.

Tag 17 – Der Blogeintrag für eine fertige App (Mittwoch, 17.02.)

Am Dienstag hatte es meine App dann doch noch durch die Store-QA geschafft und ab Mittwoch morgen war sie dann auch über die Suche auffindbar. Also musste ich das Erscheinen ein bisschen vorbereiten und promoten und dafür einen Blogeintrag schreiben, weshalb ich das Bett mit viertel vor zehn auch vergleichsweise spät verließ. Deshalb war ich auch erst nach elf auf der Arbeit, wobei ich diese mehr damit verbrachte, auf diversen Seiten zu checken, was Leute über die App schreiben und wie sie die bewerten und ob etwas nicht funktioniert (was in der Tat der Fall war).

Zum Mittagessen hatte ich dies eigentlich fortgesetzt, zum Essen selbst gab es das Baguette von gestern. Am Abend ging es wieder auf den Stammtisch, wo ich jemanden kennenlernte, der sich neben mich gesetzt hatte und – wie sich relativ schnell herausstellte – ebenfalls aus Bonn kam. Ansonsten war der Stammtisch diesen Mittwoch sehr weiblich angesiedelt, nämlich im Verhältnis 12:3. Faszinierend ist dabei, dass dann teilweise doch die Männer dafür zuständig waren, dass es irgendwann um Frisuren, Friseure und Haarverlängerungen und -tönungen ging – ein Thema, bei dem ich persönlich doch raus bin. Ausnahmsweise verließ ich den Stammtisch heute etwas früher und war schon um kurz vor zehn zu Hause. Zum Essen gab es wie beim ersten Stammtisch einfach Chips.

Tag 18 – Frühes Wochenende (Donnerstag, 18.02.)

Aufgrund meines Wochenendausflugs war diese Arbeitswoche nur vier Tage lang und Donnerstag markierte das feierliche Ende. Auf Arbeit erschien ich „zur Wiedergutmachung“ vergleichsweise zeitig um kurz nach halb elf, die Arbeit selbst befasste sich weiter mit dem Anpassen der App ans iPhone 5 und dem Fertigstellen von Teilen, die der „Vorprogrammierer“ nur unvollständig abgeschlossen, bzw. für später (oder für mich) da gelassen hatte. Nebenbei schaute ich auch immer mal wieder in die Reviews zur Wodel-App und nutzte die Mittagspause zur Fehlersuche (bisher aber noch erfolglos). Zum Essen (warum schreibe ich eigentlich immer, was ich gegessen hab? 😀 ) war ich wieder bei Wasabi, hatte mir dort dieses Mal aber Sweet Chili Chicken geholt und zwar mit Nudeln und nicht mit Reis. Ich wollte Sweet Chili Chicken probieren, weil es zwei Paprikas am Namen hatte, die indizieren sollten, dass es ein scharfes Gericht ist. Die Nudeln wollte ich als Abwechslung zum Reis, im Nachhinein fand ich heraus, dass diese aber 50p teurer waren als Reis, worüber ich mich mit dem Kassierer dann auch gestritten hatte (auf der Karte stand £5,45 und ich hatte ihm £10,50 gegeben, weil ich einen £5-Schein und eine 5p-Münze zurück haben wollte, er mir aber nur £4,45 in Form von zu viel Kleingeld gab). Nach dem Beenden der Mahlzeit habe ich mich tatsächlich etwas beleidigt gefühlt – weil das war alles, aber definitiv nicht so scharf, dass es gleich zwei Paprika-Symbole verdient hätte.
Auf dem Hinweg zum Laden versendete ich darüber hinaus meine vorerst letzte Postkarte (ich hatte einfach keine mehr ^^).

Die Arbeit endete um kurz vor sieben und ich begab mich nach Hause, um weiter für das Wochenende zu planen. Ich hatte bereits zu Wochenbeginn die Bustickets gekauft und am Dienstag war mit der Post mein Ticket fürs Viertelfinale angekommen, aber ich hatte immer noch keine Unterkunft. Meine Bemühungen sowohl über AirBnb, wie auch über Couchsurfing etwas zu finden, waren nämlich ziemlich erfolglos. Also musste Plan C her, welcher einem Hostel entsprach. Außerdem lud ich mir die Der Lehrer-Folge vom Donnerstag und die Neo Magazin Royale-Folge von der Woche zuvor aufs Handy, damit ich während der Busfahrt was zu tun hatte. Ein weiteres Ticket für eine Ausstellung kaufte ich an dem Donnerstag ebenfalls, nur musste ich es noch ausdrucken.

Tag 19 – Auf nach Cardiff (fast aber auch nicht) (Freitag, 19.02.)

Der Freitag begann gegen 8:20, doch das Bett verließ ich erst eine Viertelstunde später. Erste Aufgabe auf der To-Do-Liste war es, das Ticket auszudrucken, was ich am Vorabend gekauft hatte. Dies war dann vergleichsweise schnell erledigt, jedoch waren die Patronen fast leer, sodass ich den Druckerkopf saubermachen und ein bisschen an den Druckeinstellungen herumspielen musste, um ein ansatzweise akzeptables Ergebnis zu bekommen. Der Drucker der Mitbewohner stand im Wohnzimmer und ich war einfach so frei ihn zu benutzen; da es ein HP war und ich einen solchen ebenfalls zuhause gab, war die Bedienung relativ einfach.
Als nächstes hatte ich bei dem Hostel angerufen, ob sie denn noch einen Platz für die zwei Tage haben werden, was sie glücklicherweise bejahten. Aufgrund meiner fehlenden Kreditkarte konnte ich das Hostel nicht über die Webseite im Voraus buchen.

Die nächsten anderthalb Stunden verbrachte ich mit Duschen, mich fertig machen und vor allem Packen, außerdem ergänzte ich meine Filme-Sammlung noch um die Neo Magazin-Folge vom Vortag. Wie ich es geschafft habe, damit stolze anderthalb Stunden zu füllen, kann ich beim besten Willen nun auch nicht mehr erklären 😀 Auf jeden Fall war es dann halb elf, der Bus fuhr um 12 und auf der Megabus-Webseite stand, man solle bei Abfahrten von London Victoria 60 Minuten vorher vor Ort sein – was zu diesem Punkt physikalisch gar nicht mehr möglich war. Dem aufmerksamen Leser wird aber aufgefallen sein, dass ich zu diesem Punkt noch nichts gegessen hatte. Ich hatte insgesamt noch drei Toasts (die aber als Frühstück für Montag eingeplant waren) und die Nudeln samt halbem Glas Soße, was ich mir dann zum Brunch gönnte, nachdem mir Johanna – wieder einmal köstlich amüsiert – die Bedeutung dieses Wortes erklärte. Da ich fast kein Salz gefunden hätte und im Anschluss noch spülen musste, verließ ich letztendlich um 11:15 das Haus.

Mein Weg zur Arbeit dauert in der Regel von Tür zu Tür um die 40 Minuten und zur Victoria Coach Station musste ich nicht nur drei Haltestellen später aus der Victoria Line aussteigen, sondern bei Victoria auch noch den Busbahnhof finden. Natürlich wollte an dem Tag die Underground nicht, so wie sonst. Dafür muss ich aber was vorher erklären: Ich nutze die Victoria Line von Blackhorse Road bis Warren Street in Richtung Arbeit. Die zweite Haltestelle in dieser Fahrtrichtung ist Seven Sisters und auf dem Rückweg nach Hause habe ich schon öfter festgestellt, dass es Bahnen gibt, die nur bis Seven Sisters fahren. Analog gibt es auch Bahnen, die erst ab Seven Sisters fahren. Meine Bahn musste deshalb an einigen Stationen und roten Signalen länger warten, weil wir vor uns einen vorausfahrenden Zug hatten, der aber erst bei Seven Sisters angefangen hatte – was mich auch gar nicht unter Druck setzte, ich war toooootal entspannt.
Irgendwann hatte es der vorausfahrende Zug geschafft, sich entsprechend weit von uns zu entfernen (oder wir haben es durch Herumstehen geschafft, uns von dem Zug entsprechend weit zu entfernen), dass die Fahrt wieder flüssiger vor sich ging und ich gegen 11:50 an der Haltestelle ankam (nur noch mal zur Erinnerung: Der Bus fuhr um 12).

Als wäre das nicht knapp genug, war ich um 11:50 aber noch nicht am Bus, sondern hatte erst die total überfüllte Underground-Station verlassen und musste nun erst mal die Coach Station finden – glücklicherweise ist das dort vernünftig ausgeschildert, man muss aber trotzdem um das gesamte Bahnhofsgebäude rum und eine lange Straße entlang. Das Busbahnhofsgebäude hatte ein komplett anderes Konzept als die mir bekannten Busbahnhöfe: Zum einen waren Abfahrten und Ankünfte räumlich voneinander getrennt (was ich aber erst am Sonntag festgestellt hatte), zum anderen gab es in dem Gebäude insgesamt 20 Gates, was Türen darstellte, durch die man zu der Parkfläche der Busse kam (aufgrund des Zeitdrucks hab ich hier keine Fotos gemacht, ich bitte um Verständnis 😀 ). Am Eingang gab es dann fünf oder sechs Tafeln, die anzeigten, wo welcher Bus abfährt, alphabetisch sortiert nach dem Zielort (zur Hölle warum tut man sowas?). Diese Tafeln zeigten auch die Abfahrten in einer Stunde an und da alle kommenden Busabfahrten nicht auf diese popeligen fünf Tafeln passen, wechselten die Tafeln ihren Inhalt, in dem sie alle etwa zehn Sekunden einen anderen Teil des Alphabets präsentierten. Doch irgendwann, ich glaube, als C beim dritten Mal dran war, hatte ich meinen Bus und das Gate gefunden und mich in die Richtung bewegt. Das Gebäude selbst war ab da eigentlich ein langer, relativ schmaler Gang, der auf der linken Seite komplett verglast war und die Gate-Türen sowie in deren Nähe Sitzmöglichkeiten beinhaltete; was auf der rechten Seite war, weiß ich gar nicht mehr so genau, ich glaube aber, es waren kleine Läden und Shops.

Die Türen auf der linken Seite waren von 1 bis 20 durchnummeriert, wo Gate 1 direkt am Anfang lag. Dreimal dürft ihr raten, an welchem Gate mein Bus abfuhr… Irgendwann, nachdem ich mich durch die schleichende Menge gedrängt hatte, nachdem eine Frau sich bei ihrer Mitreisenden darüber aufgeregt hatte, dass ich sie angetippt hatte, um auf mich aufmerksam zu machen, weil mein „Sorry“ nirgendwo ankam (Johanna klärte mich im Nachhinein darüber auf, dass „Excuse me“ an dieser Stelle die korrekte Wortwahl gewesen wäre), irgendwann dann erreichte ich Gate Nummer 20 und eine verschlossene und zugeklebte Tür mit dem Hinweis, dass Gate 20 im Moment außer Betrieb sei und man Gate 19 als Ersatz verwenden sollte.
Da stand ich also vor Gate 19 und war etwas überfragt. Zum einen sah ich die offene Tür zum Busparkplatz und dort den stehenden Megabus mit der Aufschrift Cardiff auf der Anzeige und verschlossenen Türen, zum anderen saßen an dem Gate einige Leute und rechts neben der Tür war so ein Schalter, ähnlich wie man ihn vom Flughafen kennt, bevor man in diese Brücke zum Flieger reingeht und wo die Ticketkontrolle stattfindet. Letzteres brachte in mir die Vermutung auf, dass das hier so funktioniert wie am Flughafen, nur an dem Schalter war niemand, was zwei Minuten vor Abfahrt kein gutes Zeichen ist. Als dann, nachdem ich gefühlt eine halbe Minute vor dem Ausgang stand, eine Frau mit Koffer gefühlt ebenfalls etwas verunsichert sich in Richtung des Busses begab, folgte ich ihr unauffällig. Und musste erst einmal innerlich lachen – denn wir waren ja in England und dort wo ich beim Blick aus dem Gate heraus die geschlossene Bustür identifiziert hatte, war nichts; die Tür war ja auf der anderen Seite 😀

So checkte ich beim Busfahrer ein (wobei das hier bei Megabus noch ganz altertümlich anhand einer ultralangen Buchungs-ID und einer Strichliste geschieht und nicht wie bei FlixBus mit App und QR-Code scannen), fand noch einen Platz und machte es mir bequem. Den ersten Teil der Busfahrt aus London heraus nutzte ich, um mich ein bisschen in London umzuschauen, als es dann auf den Motorway ging, schlug ich die Zeit mit der ersten Folge Neo Magazin Royale (wo ich bei dem Adi-Clip kurz überlegt hatte, was die hinter mir wohl denken) und der Folge Der Lehrer tot. Irgendwann kamen wir auf die Brücke, die elendig lang war und auf die eine Mautstation folgte, wo wir als Bus an allen wartenden Autos vorbeifahren durften. Ein wenig später folgte dann Cardiff. In Cardiff gab es zwei Bushaltestellen, die wir anfuhren, wobei die erste an einem Uni- oder Schulgebäude war und dieser Moment markierte für mich den Unterschied zwischen FlixBus in Deutschland und Megabus hier: Die ganze Fahrt war absolut unpersönlich und als Fahrgast verspürte man beim Busfahrer null Interesse für irgendwas anderes als seinen Feierabend (vielleicht ist das aber alles auch was allgemein britisches?). Es gab auf jeden Fall keinerlei Ansagen, weder automatisiert noch vom Busfahrer manuell, zum Beispiel was das jetzt für ne Station ist, wie das mit den Gurten und WC ausschaut etc. Bei FlixBus wird aus der Begrüßung meist eine unfassbar lange Ansage gemacht, die ich einmal bereits von CD gehört habe und wenn sie nicht von CD war, machten die meisten Busfahrer dann doch irgendwie deutlich, dass sie Humor haben und sorgten hier für einige Lacher und so, manchmal gaben sie aber auch informatives von sich (der Busfahrer im Dezember von Bonn nach Berlin zum Beispiel klärte uns Fahrgäste darüber auf, dass er nicht am Rasen sei, wenn wir auf der Autobahn geblitzt werden, sondern dass die Radaranlage den Bus aufgrund der Ausmaße als LKW wahrnimmt und für ihn andere Geschwindigkeitsbegrenzungen herrschen). Aber bei Megabus gab es nichts, absolut nichts und das hatte mich irgendwie enttäuscht.

Auch wenn ich kurz davor war, auszusteigen oder zumindest nachzufragen, sprachen zwei Dinge dagegen: Zum einen hatte ich mir auf Google Maps vorher angeschaut, wie die Straße, wo der Bus hält, ausschaut und das war sie definitiv nicht und zum anderen blieben auch einige andere noch im Bus sitzen und der Bus fuhr ja nur nach Cardiff. Also blieb ich sitzen und einige Minuten Cardiff-Feierabendverkehr kamen wir am Kingsway-Stop. Diese Haltestelle lässt sich vergleichen mit London Stansted im Vergleich zu Heathrow (zumindest vom Hörensagen, ich war noch nie in Stansted). Man merkte, dass hier „die günstigen“ Busse halten, denn auch wenn die Haltestelle im Stadtzentrum war, war sie mitten im Nirgendwo an einer Verkehrsinsel.
In Cardiff angekommen war mein erstes Ziel das Hostel, denn ich hatte immer noch keine gesicherte Unterkunft für die Nacht. Das Hostel selbst war zwischen zwei Brücken über den River Taff genau gegenüber vom Millenium Stadium, wo am Wochenende zuvor das Six Nations Rugby-Spiel stattfand, was ich im Pub geschaut hatte. Doch diese Woche war deutlich weniger los und das Hostel auch deutlich leerer, in der ersten Nacht war nur eine weitere Person in meinem Sechs-Bett-Zimmer. Der Weg zum Hostel dauerte knapp ne Viertelstunde und ich hatte die Chance, mich ein bisschen im Stadtzentrum umzuschauen und das berühmt berüchtigte Schloss zu sehen. Insgesamt war Cardiff deutlich angenehmer als London, weil es viel kleiner und alles fußnah erreichbar war, womit das ein echt notwendiges Luft schnappen, Großstadtpause und erholen wurde.

Das Hostel „NosDa“ (walisisch für Gute Nacht) wiederum hatte eine Eingangslounge, in der einige Sitzmöglichkeiten, ein Pool-Tisch, der morgens zum Büffet umfunktioniert wurde, eine Bar und eine Rezeption vorhanden waren. Das Frühstück war inklusive und das Bett im Sechs-Bett-Zimmer kostete pro Nacht £25, was absolut in Ordnung ging. Was mich etwas wunderte (ich hatte vorher noch nie in einem Hostel genächtigt) war, dass es in dem Zimmer nur sechs Betten, ein Waschbecken mit Spiegel und eine Heizung gab (okay zur Vollständigkeit gab es auch noch ein Fenster, die Tür, zwei Steckdosen pro Bett und Boden, Wände und Decke ^^). Worauf ich aber hinaus will ist, dass es nichts in Form von Regalen, Abstellmöglichkeiten oder Schränken gab…
Für den Trakt, in dem sich mein und drei andere Zimmer befanden, gab es einen Waschraum mit zwei Waschbecken, zwei WCs (wo bei einem der Verriegelungsmechanismus kaputt war und beim zweiten war dies fast der Fall) und zwei Duschen. Wenn Hochbetrieb herrscht und in jedem Zimmer sechs Leute sind, stelle ich mir das hier nicht wirklich schön vor um ehrlich zu sein. An diesem Wochenende war in dem Trakt jedoch kaum was los, ich teilte mir das Zimmer am Freitag mit einer Person, die erst am Abend gegen 11 kurz reinkam, dann wieder verschwand und erst gegen zwei Uhr nachts wiederkam.

Nach dem kurzen Einleben im Hostel nutzte ich das dort verfügbare WLAN, um ein Lokal zu finden, in dem ich was speisen könnte – meine Nudeln waren bereits ein paar Stunden her. Die Suche verlief dann doch nicht ganz so erfolgreich, sodass ich einfach beschlossen hatte, mich ein bisschen in der Stadt umzuschauen und dort wo mir was zusagt, reinzugehen. Die Stadt von Cardiff ist dabei nicht sonderlich groß, das meiste spielt sich gefühlt auf zwei nebeneinander liegenden Nord-Süden-Straßen ab, wovon eine die St. Mary’s Street ist. Dort wurde ich dann auch mit dem Lokal The Cottage findig, denn dieses servierte einen sogenannten Classic Welsh Burger und da ich den Namen schon an anderen Lokalitäten gesehen hatte, wollte ich dem mal auf die Spur gehen. Die Gaststätte funktionierte an sich jedoch anders, als man es in Deutschland gewöhnt ist oder wie ich es auch in England gewohnt bin, denn man bestellt nicht am Platz, sondern an der Bar. Eine Bedienung gibt es darüber hinaus aber trotzdem, was ich ein sehr komisches Konzept finde, insbesondere wenn man davon keinen Plan hat und sich wundert, dass keine Bedienung zu einem kommt, weil das in jedem Restaurant sonst nach wenigen Sekunden der Fall ist.
An der Bar hatte ich beim Bestellen nach einem typisch walisischen Bier gefragt und durfte auch zwei dort probieren, wobei mir SA (was ich zu Beginn als Essay verstanden hatte) besser schmeckte und ich mich dafür entschied. Der Welsh Burger kam nach einigen Minuten Wartezeit samt Chips und Salatbeilage an meinen Tisch und zumindest vom Burger war ich an dieser Stelle etwas enttäuscht, denn auch wenn er gut schmeckte, was ich gleich herausfinden würde, bestand der Burger tatsächlich aus nichts anderem als der Boulette und oben und unten einem Brötchen – einen Burger, den selbst Thaddäus in der Krossen Krabbe hinbekommen würde. Zu den Chips hatte ich Ketchup genommen (in England kostet das faszinierenderweise nirgends extra und man bekommt immer – wirklich immer – Heinz Tomatenketchup) und bei dem Versuch, den Ketchup auf den Teller zu bekommen, hatte ich es tatsächlich geschafft, mein wunderschönes weißes Hemd einzusauen… 🙁 Es war zwar nur ein relativ kleiner roter Fleck, doch er war da und wenn man weiß, dass er da ist, dann ist er viel prominenter und größer als er tatsächlich ist, insbesondere wenn man sich in wenigen Stunden womöglich im Fernsehen wiederfindet.

Wie dem auch sei, hatte ich mich nach etwas totgeschlagener Zeit, dem Essen und der Panikmache wegen des Flecks auf den Weg zur Motorpoint Arena gemacht – es war Snooker-Time 🙂 Wer mit Snooker absolut nichts anfangen kann, in Kürze erklärt: Es ist eine Art von Billard, wobei zwei Spieler gegeneinander spielen, während sich auf dem Tisch mehr Bälle befinden als beim Billard, nämlich fünfzehn rote (einen Punkt wert) und sechs farbige (gelb, grün, braun, blau, pink und schwarz mit einer Wertigkeit von 2-7 Punkten). Das Spiel funktioniert so, dass man immer einen roten und einen farbigen Ball lochen muss. Farbige Bälle werden nach dem Lochen wieder auf dem Tisch positioniert, bis keine roten mehr da sind, dann folgt das Endspiel auf die Farben, die in der Reihenfolge ihrer Wertigkeit gelocht werden müssen. Insgesamt lassen sich so 147 Punkte holen und wenn man diese an einem Stück ohne Verlassen des Tisches hinbekommt (in einem Break), handelt es sich um ein Maximum Break, was bei der Welsh Open in Cardiff mit einem Preisgeld von £10.000 belohnt wurde. Analog gibt es auch das Century Break, wenn man 100 Punkte oder mehr am Stück sammelt, wobei es hier kein Preisgeld für gibt.
Da man in den seltensten Fällen den ganzen Frame (ein Spiel) am Tisch ist, spielt man vor dem Verlassen des Tisches eine Safety, also ein Spielen auf Sicherheit, was meistens daraus besteht, den weißen Ball so zu platzieren, dass der gegnerische Spieler den nächsten anzuspielenden Ball nicht auf direktem Weg (also ohne Verwendung einer Bande) erreichen kann. In diesem Fall ist er auf die zu spielende Farbe gesnookert, was zu einem potentiellen Foul und Punkten für den Safety-spielenden führen kann (man muss immer die Farbe zuerst anspielen, die gerade dran ist und wenn man an den Tisch kommt, ist dies immer eine rote, sofern noch verfügbar). Man sollte beim Spielen also immer zwei bis vier Züge im Voraus denken…
Snooker ist am populärsten in Großbritannien, aber auch in Deutschland gibt es Fans, Spieler und die Möglichkeit, sich das Spektakel im Fernsehen auf Eurosport anzuschauen für die, die daran Interesse haben nach dieser kurzen Regelwerk-Erklärung meinerseits 🙂

Ich hatte mir in der Woche zuvor online bereits ein Ticket gekauft, welches am Dienstag dann wie bereits erwähnt per Post bei mir ankam. An dem Freitag waren die Viertelfinals und ich hatte am Tag zuvor zumindest die kleine Hoffnung, dass Ronnie O’Sullivan am Abend spielen wird, was leider nicht der Fall war. Die Spiele an dem Abend waren Mark Allen gegen Michael White am TV-Tisch und Ben Woollaston gegen Joe Perry auf dem zweiten Tisch. Da es keine Sitznummerierung oder so gab und man sich den Platz frei aussuchen konnte, hatte ich mich zuerst an den TV-Tisch gesetzt. Faszinierenderweise (man kennt Snooker in Deutschland nicht als so großes Event) waren die Plätze fast vollständig besetzt und das Event wohl gut verkauft. Nachdem alle ihre Plätze eingenommen hatten, der Moderator zur Begrüßung das Publikum etwas warm gemacht hatte und den Abend „feierlich“ eröffnet hatte (danach machte der Moderator eigentlich gar nichts mehr), gingen die Spiele auch schon los. Und es herrschte eine Totenstille in der Arena, die ohne die Tribünen etwa doppelt so groß war, was ich insbesondere zu Beginn doch sehr komisch fand, weil es etwas komplett anderes zum Snooker schauen am Fernseher ist, wo man meist noch irgendetwas anderes macht und nebenbei das Spiel verfolgt. Es war wirklich so still in der Arena, dass man den Kontakt jeder Kugel quer durch den Saal hören konnte genauso wie die Klimaanlage, die man vorher nicht wahrgenommen hatte – vielleicht unheimlich still.
Nach dem ersten Frame musste ich das Ändern und das ging, weil ich mir vorher ein Commentary Radio (für 10 Pfund) gekauft habe, mit dem man den Kommentator über einen Ein-Ohr-Kopfhörer hören konnte, wenn man es denn hinbekommen hatte, das Ding einzuschalten und korrekt einzustellen. Denn es unterstützte mehrere Kanäle (wie ich am Samstag erfahren hatte, lässt sich das auch als FM-Radio verwenden, was ganz praktisch ist, weil es die fehlende Funktionalität des Lumia 950 kompensiert) und hatte mehrere Knöpfe und Regler und da der Kommentator ja auch nicht dauerhaft sprach, hat das lange gedauert, bis ich das korrekt eingestellt hatte.
Das Spiel am TV-Tisch war nicht sonderlich spektakulär, Mark Allen dominierte Michael White nach Belieben und gewann auch mit einem klaren 5-0. Nachdem das erste Spiel vorbei war, gingen einige Zuschauer nach Hause, während die anderen von der Haupttribüne (mich eingeschlossen) sich umsetzten und das zweite Spiel verfolgten, zu dem es aber keinen Live-Kommentar gab, wobei ich allgemein sagen muss, dass ich den deutschen TV-Kommentar von Rolf Kalb deutlich besser finde wie das, was der mir unbekannte Kommentator da in der Arena so von sich gegeben hat, weshalb mich der fehlende Kommentar an dieser Stelle auch nicht störte. Auch die mobilen TV-Kameras wechselten zum zweiten Tisch (vorher gab es hier nur die Kamera, die den Tisch von oben aufzeichnet), an dem mit Marcel Eckardt ein deutscher Schiedsrichter das Geschehen unter Kontrolle hatte. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass er eine Fernbedienung in der Hand hielt und mit dieser die Punkte am Punkte-Monitor weiterschaltete neben dem eigentlich Schiedsrichter-Sein, was ich schon eine beachtliche Multitasking-Aufgabe fand 😀 Am TV-Tisch saß nämlich eine zweite Person, die sich in erster Linie nur darum kümmerte, sodass der Schiedsrichter beide Hände frei hatte. Die Endphase vom Spiel Joe Perry gegen Ben Woollaston war jedoch auch nicht sonderlich spannend, denn das Match endete 5-1 (wobei Ben Woollaston mehr Chancen hatte und wie ich zu Beginn ein bisschen parallel zum Match Allen-White verfolgte, auch für einige Safety-Duelle sorgte). Während ich nach dem Spieltag noch einige Fotos und Selfies machte (bei einem Selfie von den Tribünen aus haben sich ein paar hinter mir sitzende für das Foto „bedankt“, weil es so aussah, als hätte ich sie fotografiert 😀 ), signierte mir Ben Woollaston noch meine Karte. Dann ging es auch schon in das Hostel, wo ich es mir nach einem kurzen Gespräch mit den angetrunkenen an der Bar (die hatten mich angequatscht und irgendeiner fing dann mit halbem Deutsch an, mit mir zu reden, als ich ihm sagte, ich sei aus Deutschland) im Bett bequem gemacht hatte und den Blogeintrag zur dritten Woche (also das, was Du gerade liest) weitergeschrieben hatte. Auch nutzte ich den Moment, um einen kleinen Rückblick auf Snooker live vs. im TV zu ziehen, doch dazu gleich mehr.

Tag 20 – Wenn man das Londoner Wetter vermisst (Samstag, 20.02.)

Das Hostelzimmer hatte am Fenster keine Vorhänge, weshalb ich wusste, dass ich mir keinen Wecker stellen brauch, da ich bei Helligkeit irgendwann von selbst wach werde. Der Zimmergenosse, der irgendwann gegen zwei wiederkam, hatte sich für 8 Uhr einen Wecker (Handy, nur Vibration) gestellt, der mich dann auch so richtig wach werden ließ – ihn jedoch nicht, bzw. nur so wach, um die Snooze-Taste zu finden und zu drücken. Sein Handy fing also um 8:10 wieder an zu vibrieren. Und um 8:20. Und – wer hätte es jetzt erwartet – auch um 8:30. Ich glaube, um 8:40 hat es auch noch vibriert, aber davor hatte ich mich auf den Weg in Richtung Bad/Dusche gemacht. Die Duschen in dem Hostel sind übrigens exakt das absolute Gegenteil vom Ofen oder der Waschmaschine gewesen, über die ich mich letzte Woche aufgeregt habe, was die Komplexität der Bedienung angeht: Es gab bei der Dusche nämlich genau einen Knopf – für Wasser (auch das war jetzt unvorhersehbar ^^). Okay, ich muss sagen, man konnte den Knopf unterschiedlich stark reindrücken, wodurch unterschiedlich lang das Wasser lief, aber das war es auch schon. Das Wasser ließ sich nicht abstellen (das ging nach einer Zeit automatisch) und auch die Wärme ließ sich nicht regulieren. Was den letzten Punkt angeht, störte mich das aber auch nicht, denn das Wasser, was aus der Dusche kam, was genauso, wie ich es haben wollte, nämlich richtig warm, aber nicht zu warm 🙂

Nach der Dusche ging es wieder ins Zimmer, wo der Zimmergenosse nicht mehr da war (er hatte irgendwie auch keine Tasche oder so dabei was ich, dafür, dass er auf einem Meeting in Cardiff war, doch komisch finde, aber jedem das seine), sodass ich mir dort dann in Ruhe die Haare machen konnte. Das Frühstück gab es zwischen 7:30 und 10:00 im hinteren Teil des Eingangsbereichs (wie schon erwähnt), wo der Pool-Tisch zum Büffet-Tisch umfunktioniert wurde. Die Dame an der Rezeption bezeichnete das Frühstück am Tag zuvor als „kontinental“, was es vielleicht auch war (was genau das bedeutet, wird mir sicher jemand erklären ^^). Es gab Toasts, einen Toaster dessen Funktionsweise ich mir nicht weiter angeschaut hatte, Obst und einige Sorten an Cornflakes. Da diese eine sehr willkommene Abwechslung zum sonstigen Brot-/Brötchen-/Toast-Frühstück waren, entschied ich mich für diese. Viel all zu erzählenswertes geschah dann aber auch nicht mehr.

Der Samstag stand unter dem Motto Stadt besichtigen und auf der Suche nach einem Schlafplatz hatte ich mich auf Couchsurfing nicht nur nach einem Ort zum Übernachten umgeschaut, sondern auch nach Leuten, mit denen man etwas unternehmen kann (es gibt dort seit nicht all zu langer Zeit neben den Kategorien Accepting Guests und Maybe Accepting Guests auch die Suchmöglichkeit nach Wants to meet up bzw. analog die Option, sich diesen Status zu setzen). Auf diesem Wege hatte ich Anthony gefunden, mit dem ich ein bisschen durch die zum geringen Teil bereits am Tag zuvor besichtigte Innenstadt gegangen bin. Wir trafen uns am Schloss und gingen durch die kleinen überdachten Einkaufspassagen sowie einen Marktplatz in einer Halle (die mich ein bisschen an das alte Stadion in Warschau erinnerte), wo ich unbedingt einen Welsh Cake probieren sollte. Das sind kleine Kekse mit einem sehr fluffigen Teig und Schokostückchen drin, auf denen sich ein bisschen Puderzucker befindet (siehe Wikipedia). Um es auf den Punkt zu bringen: OH MEIN GOTT, sind die gut! 😀 Nicht nur, weil die so gut aussehen, wie auf dem Wikipedia-Foto (mir läuft grad wieder das Wasser im Mund zusammen), sondern weil sie noch viel viel besser schmecken als sie aussehen 😀 (jetzt will ich welche haben 🙁 ). Obwohl Anthony erst seit einer Woche in Cardiff zugange war, hatte dieser Part was von einer richtigen Sightseeing-Tour, weil er anfing, über die Gebäude, die Passagen und das besondere an der walisischen Sprache zu reden, wie so ein City-Guide.

Quer durch das St David’s Dewi Sant, ein prachtvolles Einkaufszentrum, machten wir uns dann auf in Richtung Süden der Stadt – Cardiff Bay. Da der Norden nicht allzu weit weg vom Zentrum war, hielten wir uns die Option offen, diesen später zu besichtigen, wozu es dann aber nie gekommen ist. Wir nutzten den Fußweg nach Cardiff Bay (etwa eine halbe Stunde), um uns weiter zu unterhalten, aber jetzt weniger über Cardiff, sondern mehr über uns. Ich hatte ihm in meiner Nachricht bereits angedeutet, dass ich Deutsch konnte und auf seinem Profil gesehen, dass er Englisch, Deutsch, Polnisch und Walisisch konnte, wobei er wohl nie auf mein Profil geschaut hatte und überrascht war, als ich irgendwann Warschau zur Sprache kam und die Tatsache, dass ich eben auch Polnisch konnte. In Cardiff Bay angekommen erholten wir uns kurz im Millenium Centre und suchten uns dann ein Café, um zu trocknen. Denn es hatte den ganzen Tag bis dahin geschüttet wie aus Wasserfällen und einen Regenschirm konnte man nicht verwenden, außer man wollte als Mary Poppins enden. Wir waren also beide klitschnass (da ich längere Haare hab, sah man mir das mehr an) und gönnten uns bei Costa einen Kaffee, bzw. ich eine Heiße Schokolade mit Sahne und Marshmallows (wenn ungesund, dann bitte richtig 😀 ), nachdem wir uns vorher an der Küste ein klein wenig umgeschaut hatten und ich am Horizont auch schon mein Ziel des folgenden Tages erspähen konnte). Ich glaube, in dem Café verbrachten wir insgesamt eine knappe Stunde und überlegten, was wir mit dem restlichen Tag anfangen konnten. Da das Wetter für absolut nichts außerhalb von Gebäuden zu gebrauchen war, hatten wir uns überlegt, mit einem Waterbus von Cardiff Bay wieder ins Zentrum zu fahren. Anthony wollte sich dann eine ordentliche Regenjacke holen und sich zu Hause etwas erwärmen, während ich mir überlegt hatte, dass ich versuchen wollte, Tickets für den Samstag zu bekommen – denn ich wollte Ronnie O’Sullivan live spielen sehen und er hatte es am Mittag des Tages zuvor souverän ins Halbfinale geschafft. Am Abend könne man sich dann zum Dinner und eventuell fürs Kino treffen, falls wir einen Film finden würden. Also setzten wir den Plan in die Tat um, fuhren mit dem Waterbus in das Stadtzentrum (mir fällt gerade auf, dass ich nach dem Bus trotz der Wellen keine Wellen gespürt habe, als ich später im Bett lag, wie das sonst der Fall ist, wenn man zum Beispiel auf einer Luftmatratze auf dem Meer ist) und im oben genannten St David’s Dewi Sant trennten sich unsere Wege. Ich war nach den knapp fünfzehn Minuten Fußweg irgendwie, wenn auch wieder klitschnass, an der Motorpoint Arena angekommen (es war kurz nach 13 Uhr). Der freundliche Herr am Verkaufsschalter konnte mir sagen, dass Ronnie sein Halbfinale am Samstag Abend hatte, dass es dafür tatsächlich noch Tickets gab und dass diese 22 Pfund kosteten, was der normale Verkaufspreis für den Tag war und damit in Ordnung. An der Kasse selbst stand ein Herr, der versuchte, seine Tickets für das gerade anfangende Halbfinale Neil Roberston – Mark Allen loszuwerden und auch wenn die Versuchung da war, wollte ich doch lieber ins Hostel und mich dort in Ruhe aufwärmen. Dies tat ich dann auch, wobei ich erst einmal sicher etwa zehn Minuten im Eingangsbereich der Arena wartete in der Hoffnung, der Regen und der Wind würden schwächer werden (haha). Es war ein sehr interessantes Spektakel (aus den Glastüren des Eingangsbereiches heraus sieht man eine große Kreuzung zwischen einem Hotel und dem besagten Einkaufszentrum), den Leuten dabei zuzusehen, wie sie mit der Natur fertig wurden und wie einige tatsächlich versuchten, ihren Regenschirm zu verwenden. Einer Frau ist sogar fast ihr Einkaufstrolley weggeflogen, bzw. sie gleich mit ihm 😀
Irgendwann sah ich aber ein, dass das nicht besser wird und stürzte mich auch in die Schlacht. Noch klitschnasser als vorher schon kam ich am Hostel an (ich möchte an dieser Stelle bitte kurz mein Gedächtnis loben, denn ich musste dafür kein einziges Mal auf die Karte schauen und für die Tatsache, dass ich erst seit 24 Stunden in dieser Stadt war, ist das schon eine Leistung ^^). Dort erholte ich mich dann wie bereits angedeutet, trocknete alles, was zu trocknen war, lud mein Handy wieder auf und schlug irgendwie die Zeit tot.

Gegen 17:15 traf ich mich wieder mit Anthony an der St. Mary’s Street, weil wir uns einen Ort zum Essen suchen wollten. Da er mit dem Bus gefahren ist und ein paar Minuten später kam, nutzte ich die Zeit, um mir für den folgenden Tag Briefmarken in einem Kiosk zu kaufen. Ich finde es schon komisch, dass es im Stadtzentrum von Cardiff laut Google Maps kein einziges Post Office gibt. Der Herr, der in dem Kiosk die Briefmarken verkaufte, hatte davon genauso viel Plan wie meine Wenigkeit. Ich erstand bei ihm letztendlich drei First-Class-Briefmarken für 70p das Stück, was mir irgendwie komisch vorkam, denn die Briefmarken für die ersten Postkarten kosteten einen Pfund, aber ich dachte mir nicht viel dabei (die Auflösung dazu gibt es erst im nächsten Blogeintrag, ich mag Kliffhänger einfach 😀 ). Dann endlich suchten wir uns was zu essen. Der Vorschlag Pizza kam mir eigentlich ganz gut entgegen, so ging es auf zu einem Italiener, der ganz gut sein soll und wo wir uns mal die Karte genauer angeschaut haben. Die Tatsache, dass die dort aber über zehn Pfund für eine einfache Pizza Margherita wollten, war für mich dann doch ein Contra-Argument, sodass wir etwas weiter durch die Stadt schlenderten und bei Giovanni’s hängengeblieben sind. Auch dort kostete eine Margherita zwar knapp zehn Pfund, doch die vielfältiger belegten Pizzen kosteten nicht sonderlich mehr. Im Lokal wurden wir, nachdem der Kellner erstmal scherzte, dass sich unser Tisch draußen befände (man denke an das Wetter ^^), zum Tisch geführt, welcher für eine größere Feier ab 19 Uhr reserviert und auch schon gedeckt war. Da das Halbfinale aber um 19 Uhr begann, wollten wir nicht so lange bleiben. Was die Pizza angeht, entschieden wir uns beide für die Pizza della Casa. Nach einigen Minuten Wartezeit kam die Pizza und – OH MEIN GOTT 😀 Entschuldigt, aber diese Pizza! Ich hab in Italien einige gegessen, aber diese Pizza war wirklich eine der besten, die ich in meinem ganzen Leben gegessen hab, der Teig war einfach nur genial und der Belag gab sein bestes dazu 😀 (nur um das klarzustellen: ich wurde von den Betreibern in keinster Weise für die Erwähnung oder das Lob hier bezahlt, dazu aufgefordert oder bedroht, ich habe brav meine £12,45 für Pizza und Cola bezahlt).

Nach diesem köstlichen Abendessen trennten sich unsere Wege dann wieder im Einkaufszentrum und ich machte mich auf den erneuten Weg zur Motorpoint Arena. Im Gegensatz zum Viertelfinale gab es beim Halbfinale eine Sitzplatzvergabe durch die Tickets, sodass man nicht früher erscheinen musste und es auch keine lange Warteschlange vor dem Öffnen der Türen gab, wie am Vortag. Nach der Begrüßung durch den gleichen Moderator, der wieder etwas für Stimmung sorgte, ging es zur Einweihung des Publikums in den Ablauf des Beginns. Denn im Gegensatz zu Freitag kamen die Spieler für die TV-Perspektive nicht hinter einer Pappwand hervor, sondern von den Tribünen aus. Und zur Demonstration durfte ein kleiner Junge aus dem Publikum für kurz so tun, als sei er Joe Perry, die Treppe heruntergehen, in den inneren Tischbereich und dabei den Beifall und Applaus des Publikums genießen 😀 Nach dieser Demo kamen dann beide Spieler, Joe und Ronnie an die Position des Jungen und gingen nacheinander den Weg des kleinen Jungen (der übrigens ein Minion-Shirt hatte) ab. Schon hier kam das besondere Flair zum Vorschein, welches man auch am Fernseher mitbekommt, wenn Ronnie O’Sullivan an einem Match teilnimmt: Die riesige Unterstützung der Zuschauer. Es mag gewagt sein, aber vielleicht kann man Ronnie O’Sullivan als den Noriaki Kasai des Snookers bezeichnen. Dies zog sich mit total zufälligen GO RONNIE! durch den gesamten Abend und machte den Abend auch zu einem ganz besonderen, auch wenn ich immer versuchte neutral zu bleiben und auch zu applaudieren und Beifall zu geben, wenn Joe ein guter Zug gelang (gelegentlich hörte man auch GO JOE!-Rufe, aber sehr sehr selten).
Das Match der beiden Halbfinalisten war vom Charakter her komplett anders, wie die Viertelfinals am Tag zuvor, und zwar im positiven Sinne. Während die Freitagsspiele sehr monoton und irgendwie auch langweilig waren und ich mir nach diesen dachte, dass ich nach dem Wochenende was Snooker verfolgen angeht beim Fernseher bleibe, drehte das Halbfinale das ganze wieder. Joe Perry und Ronnie O’Sullivan lieferten sich ein wirklich gutes Duell, es gab Frames, die nach 10 Minuten mit Centuries (wer erinnert sich noch an die kleine Regelkunde von oben? 😉 ) durch waren, aber auch welche, die eine knappe halbe Stunde dauerten und ein erbitterter Safety-Kampf waren. Zum Midsession Interval (einer Art Halbzeitpause, die nach den ersten vier von bis zu elf Frames (Best of 6) stattfand) stand es 2-2 und damit war absolut noch alles offen. Jedoch schien es, als hätte Ronnie im Midsession seine Abräumerform wieder etwas gefunden, denn nach den ersten drei Frames nach dem Midsession stand es 5-2. Das lag nicht unbedingt daran, dass Joe Perry große Fehler machte, sondern daran, dass Ronnie meist einen guten Einsteiger erwischen konnte und dann in seiner Eleganz den Tisch abräumte. Joe hatte also gar nicht viele Möglichkeiten, lediglich einen dieser Frames gewann Ronnie erst mit der schwarzen (all das ist ohne Gewähr, man kennt mein Gedächtnis). Den ersten Matchball von Ronnie konnte Joe noch abwehren und auf 5-3 verkürzen, bevor Ronnie dann wieder den Tisch abräumte und Frame und Match für sich entschied.

Etwas überschattet wurde der Abend von technischen Problemen. Zu Beginn während des ersten Frames gab es zweimal einen lauten Knall, der wie sich herausstellte, mit der TV-Übertragung zu tun hatte und nach diesem ersten Frame für eine etwas längere Pause sorgte. Auch die Monitore über den Tischen, die für das Publikum da waren und den Tisch von oben sowie den Punktestand anzeigten, machten Probleme, denn der linke Monitor wollte partout nicht länger als zehn Minuten an bleiben, bis er wieder in den Stand By-Modus ging. Ich hatte erst überlegt (das war der Monitor mit der Vogelperspektive auf den Tisch), in der Pause das irgendwem der Verantwortlichen zu melden, doch das hatte sich erledigt, als in der Pause eine Leiter aufgebaut wurde und einer der Techniker was auch immer genau an dem Monitor machte. Einen wirklichen Effekt hatte das ganze nicht und da die Verantwortlichen wohl keine Idee oder keine Lust hatten, sich weiter damit zu befassen, wurde die Vogelperspektive, bzw. das TV-Signal auf den rechten Monitor übertragen und für den Punktestand musste man dem Monitor unten folgen.

Die Spieler waren ziemlich schnell weg und verteilten keine Autogramme oder so, weshalb ich am Ende noch etwas am Ausgang stehen blieb in der Hoffnung, Ronnie dort anzutreffen. Mit dem Gedanken war ich nicht alleine, denn dort war ein Herr, der nicht zum Spiel konnte, aber Ronnie ebenfalls treffen wollte, sowie eine Gruppe von jungen Chinesen, die in Cardiff studierten. Insgesamt standen wir dort (zu Beginn noch im Wartebereich am Ticketschalter, wo ich am Mittag das Wetter-Geschehen an der Kreuzung beobachtete, später draußen, aber es hatte aufgehört zu regnen) rund eine Stunde herum. Es kamen so ziemlich alle aus der Arena raus, der Moderator, die Kamera-Leute, die Betreuer, Joe Perry (mit dem ich ein bildschönes Selfie gemacht hab *räusper*) und der Schiedsrichter (dieses Mal war es wieder Marcel, der schon am Abend zuvor am Nicht-TV-Tisch zuständig war, allerdings hatte ich am Freitag nicht mitbekommen, dass er aus Deutschland kam; da ich bekanntlich Dialekte aus dem süddeutschen Raum mag und der Kommentator auf dem Ohr heute irgendwann meinte, der Schiedsrichter käme aus Bayern, wurde ich quasi dazu verpflichtet, mit ihm ein paar Worte zu quatschen und seinem Dialekt auf die Schliche zu gehen – es stellte sich heraus, der Kommentator war falsch informiert und Marcel kam gar nicht aus Bayern und hatte dementsprechend auch keinen Dialekt (in der technischen Pause kam der Kommentator selbst auf ihn zu, um zu fragen, woher genau er denn kam; ich denke es ist verständlich, dass ich Rolf Kalb vermisst habe), trotzdem war es sehr nett ein paar Worte mit ihm wechseln zu können 🙂 ). Wer fehlte, war aber Ronnie, der wohl einen anderen Ausgang genommen hatte, sodass sich die Wege unserer kleinen Wartegruppe dann um 23:15 etwa trennten.

Es hatte am Abend und damit auch auf dem Rückweg nicht geregnet (ich habe das schon erwähnt, aber ich betone das hier nochmal ^^) und der Rückweg ging quer durch die Innenstadt, die über den Abend hinweg zur Partyzone geworden ist. Allein von außen habe ich wieder festgestellt, dass das so gar nicht meins ist, weshalb ich ohne große Umwege (und ohne den Einsatz einer Karte! 😀 ) zum Hostel ging und mich dort wieder ins Bett legte, da ich am nächsten Morgen früh raus musste. Im Eingangsbereich/Barbereich wurde eine Musikanlage aufgebaut und auch hier war Partytime, was das Einschlafen etwas schwieriger gestaltete.
Dafür hatte ich auf dem Zimmer etwas mehr Gesellschaft, nämlich noch drei andere Leute, von denen zwei zusammen aus Oxford für das Wochenende nach Cardiff gereist waren, um etwas anderes zu sehen. Alle drei (ich erinnere mich nicht mehr daran, woher in England der erste kam) hatten gemeinsam, dass sie aus den von mir so heißgeliebten USA kamen 🙂 Insgesamt waren es sehr nette Zimmergenossen, auch wenn man sich nicht allzu viel unterhielt. Was mir aufgefallen war war, dass sich die drei anderen ihr Bett mit einem Buch reserviert hatten und ich mit einem Handtuch, typisch Deutsch xD (das Handtuch hing dort, weil es trocknen sollte, die Heizung war ja aus und ich war ja schon in der Nacht zuvor in dem Hostel).

Tag 21 – Who’s there? – The Doctor. – Doctor Who? (Sonntag, 21.02.)

Am Sonntag wurde ich gegen acht Uhr wach und ging ins Bad, wobei ich dabei wohl den Rest des Zimmers weckte. Nach dem Duschen machte ich mir die Haare und da ich im Laufe des Tages auf Fotos halbwegs vernünftig aussehen wollte, machte ich sie vernünftig – mit einer ordentlichen Portion Gel. Am Ende hätte ich mir das ganze auch fast komplett schenken können, denn was der Regen nicht zerstörte, ruinierte der Wind. Dabei hatte es am Sonntag morgen nur leicht geregnet, wobei ich den leichten Regen nach dem Tag zuvor auch nur noch wegen der nassen Brille wahrgenommen hatte.
Nachdem das Bad genauso leer war wie am Tag zuvor, sah ich die Zimmergenossen danach auch zum fast letzten Mal, da sie sich danach relativ schnell und auch ohne Frühstück – was mich wunderte – auf den Weg in den Tag machten. Da es weiter eine gelungene Abwechslung war, bestand auch dieses Frühstück aus Cornflakes und fertig gemacht und gepackt ging es um 9:40 (Plan war allerspätestens halb) aus dem Hostel. Das Ziel war glasklar und sogar auf den Microsoft-Karten markiert: Die Doctor Who Experience. Diese war in Cardiff Bay lokalisiert und bedeutete einmal den gleichen Fußweg in den südlichen Teil der Stadt. Da es wie gesagt regnete und stürmisch war, kam ich fix und fertig gegen 10:10 vor dem Gebäude an und erblickte sie heute zum ersten Mal: Die TARDIS.

Für die Unwissenden unter euch hier ein kleiner Einschub: Doctor Who ist eine britische Sci-Fi-Serie, die bereits seit den Siebzigern läuft und von einem Doctor handelt, der mit seinem Raumschiff, der TARDIS, durch Raum und Zeit reist gemeinsam mit diversen Begleitern (Companions). Zur Tarnung schaut sein Raumschiff aus, wie eine britische Polizei-Notrufzelle und obwohl es so klein ausschaut, ist es innen viel größer (ein häufig wiederkehrender Satz in der Serie). Die Serie besteht aus der alten Serie und der neuen Serie, wobei letztere nach einer längeren Pause ab 2005 gedreht wird und mittlerweile neun Staffeln umfasst, die ich alle innerhalb eines Jahres durchgesuchtet hab. Die Doctor Who Experience ist eine Ausstellung, in der diverse in der Serie verwendete Kostüme, Figuren und Szenerien dargestellt werden und besichtigt werden können. Dieser Part ist aufgeteilt auf zwei Stockwerke, wobei im Erdgeschoss Bilder von den ersten Aufnahmen zu finden sind, einige TARDIS (was ist der Plural von TARDIS?) von außen und von innen. Im oberen Teil geht es mehr um die Figuren und die Kostüme, am Ende gibt es einige Ausstellungsstücke aus den Folgen der achten und neunten Staffel mit Peter Capaldi.

Bevor es im Erdgeschoss zu den TARDIS (Dativ?) geht, gibt ein kleines Adventure, in welchem man jedoch nicht filmen oder Fotos aufnehmen durfte, um nachfolgende Gäste nicht zu spoilern. Deshalb will ich hier auch gar nicht viel darüber erzählen, außer die Tatsache, dass es sich ganz grob um eine pseudo-interaktive Doctor Who-Folge handelt, mit der man einmal selbst Companion des Doctors werden kann. Ich muss zugeben, von der normalen Doctor Who Experience hat mir dieser Teil trotz der Pseudo-Interaktivität am besten gefallen und ich hatte eigentlich die ganze Zeit über totale Gänsehaut, was ganz schlimm wurde, als man irgendwann am Grab von Amy und Rory vorbeikam.

Der nicht normale Teil der Doctor Who Experience ist deshalb nicht normal, weil er nur saisonal stattfindet, zusätzlich knapp zehn Pfund kostet und für Fans etwas ganz besonderes ist: Die TARDIS Set Studio Tour im angrenzenden BBC-Studio. Hier hat man die Möglichkeit, einmal durch das Innenleben der TARDIS zu gehen, sie von außen zu betrachten und einige interessante Fakten mitzunehmen. Diese Tour wird jedoch nur angeboten, wenn keine Dreharbeiten stattfinden, was für den zwei Wochen langen Zeitraum vom 20.02. an, also dem Samstag zuvor, der Fall war – perfektes Timing meinerseits 🙂
Das ganze Spektakel fand in Studio Nummer 4 statt, zu dem wir – eine Gruppe von etwa 25 Leuten – erst einmal fünf Minuten gehen mussten, mittlerweile hatte es immerhin aufgehört zu regnen, es war nur windig. Die Tour begann offiziell um 12 Uhr und die Dame am Eingang, die zu Beginn mein Ticket entwertete meinte dazu, dass man wenige Minuten vorher am Haupteingang sein sollte, weshalb ich um 11:55 den Merch-Shop verließ (genauer gesagt wurde ich von der Dame eingesammelt), in dem ich mich zuvor noch umgesehen hatte. Mir waren in der Ausstellung selbst zwei Mädels aufgefallen, die doch irgendwie ganz sympathisch rüberkamen. Eine der beiden schien ein richtiger Doctor Who-Fan zu sein, denn sie hatte sowohl ein blaues TARDIS-T-Shirt wie auch einen blauen TARDIS-Rucksack an – und das noch vor Betreten des Merch-Shops, den sie mit mindestens einem weiteren T-Shirt verließ meine ich. Ihre Begleitung hatte rötliche Haare, war etwas weniger in Doctor Who drin und auch etwas unscheinbarer, was ich aber in keinster Weise negativ empfand. Leider habe ich es mal wieder nicht auf die Reihe bekommen, die zwei anzusprechen – und zwar noch nicht einmal, nachdem ich im Merch-Shop (nachdem mich die rothaarige auch angelächelt hatte) gehört hatte, dass sie Deutsch konnten (vermutlich irgendwo aus Süddeutschland oder so) – argh ich hasse mich selbst. Falls die Welt doch so unfassbar klein ist und jemand die beiden (siehe das Foto mit dem Bett ein Stück weiter oben) kennen sollte, gibt es tausende von Wegen, um mich zu kontaktieren 🙂 (an Johanna: Das denke ich darüber, was Du von diesem Absatz denkst: youtube.com/watch?v=xvcpy4WjZMs 😀 ).

Wie dem auch sei, nachdem ich mein eigenes Ich also wieder nicht überwunden hatte, ging es in die TARDIS. Leider durfte man warum auch immer in den Gängen zum Studio selbst nicht filmen oder fotografieren, aber irgendwann stand die Gruppe einschließlich meiner Wenigkeit in einem etwa 15-20 Meter hohen Raum, der was Boden und Wände angeht aussah wie mitten beim Einsatz in vier Wänden. Der Eingangsbereich der Quader-förmigen Halle formte sich durch das Innenleben der TARDIS selbst, die zur linken Seite aufgebaut war wie eine riesige Kugel. Im Hintergrund konnte man eine TARDIS von außen sehen (wie gesagt, von innen viel größer wie von außen) und ein paar andere Filmutensilien. Die Gruppe wurde erst in zwei und dann je nochmal in zwei Kleingruppen aufgeteilt, sodass insgesamt sieben Leute auf einmal die Treppe hochstiegen und dann vor dem magischen Tor zu Raum und Zeit standen, welches umgeben von schwarzen Planen war, die den Greenscreen abdeckten. Dann wurde die Tür geöffnet und man trat ein und fühlte sich wie Clara und der zwölfte Doctor. Das Innenleben – nun es sah halt aus wie die TARDIS des 12. Doctors ausschaut: Modern beleuchtet, ausgeleuchtet, aufgeräumt, ohne große Spielereien und von den Knöpfen her deutlich einfacher zu fliegen wie die TARDIS des 9. Doctors (siehe Foto oben). Die Führerin erzählte, dass für die Armaturen allerlei Krimskrams verwendet wird, der sich irgendwo findet, wozu diverse Schalter, Taster und Knöpfe gehörten genauso wie einige Kilometer-Zähler, die mal in Autos eingebaut waren. Wir sind über den Haupteingang rein gegangen und konnten uns auf etwa einem Drittel des Kreises rund um die Konsole in der Mitte aufhalten und auch nach unten gehen, wo das Herz der TARDIS (oder, ihr Doctor Who-Fans?) samt Kabeln und Strippen zu sehen war. Wo man nicht hin durfte, war in den Bereich die Treppen hoch, wo noch die Tafel stand mit der Aufschrift „RUN YOU CLEVER BOY – AND BE A DOCTOR“ (Gänsehaut!).

Nach den wenigen Minuten in der TARDIS, die ich auch nutzte um einen Tweet irgendwo aus Raum und Zeit zu versenden, warteten wir auf den zweiten Teil unserer Teilgruppe. Der zweite Teil der Führung durch das Studio fand an der Tribute-TARDIS für Clara statt und ermöglichte einige Einblicke in die Produktionsarbeiten. Dazu gehörte auch das Vorhandensein einer Dalek-Figur und die Dame nahm den Dalek auseinander und erklärte, wie er für die Drehaufnahmen verwendet wurde. Der Kopf des Daleks bestand aus den zwei Lampen, die immer leuchten wenn der Dalek spricht und im Laufe der Serie hinzugefügt wurden genau damit man bei einer Menge von Daleks erkennen konnte, welcher denn gerade spricht. Das große Upgrade bekamen die Daleks mit der neuen Serie, denn der Dalek erkannte automatisch, wenn die Lichter am Kopf angehen sollten – früher, in der alten Serie gab es eine Extra-Person, die außerhalb der Kamera stand und einen Knopf dann betätigte, wenn die Lichter anzugehen hatten.
Das Innenleben eines solchen Daleks ist in echt unfassbar unspektakulär: Es gibt eine kleine Sitzgelegenheit für die Person, die in der Figur sitzt und diese steuert, einen offenen Boden und am äußeren Rand unten drei Räder. Wer es jetzt vermutet, denkt vollkommen richtig: Eigentlich ist so ein Dalek auch nicht viel fortgeschrittener als das Auto der Familie Feuerstein, denn er wird mit den Füßen der im Inneren sitzenden Person gesteuert und gelenkt. Die schwarze Fläche zwischen Kopf und Körper ermöglicht zwar einen minimalen Blick außerhalb des Daleks, um nicht gegen Wände und andere Objekte zu navigieren, doch erfordert das Aufnehmen einer Szene, dass sich der Dalek-Darsteller im Voraus mit seinen zurückzulegenden Metern sehr vertraut macht. Neben der Orientierung muss der Darsteller parallel auch noch die Arme des Daleks steuern, was ich mir alles zusammen doch sehr anstrengend vorstelle.

Nachdem wir ein bisschen mit der Führerin über die Serie quatschten und sie mit uns, endete die Besichtigung des Studios, es war 13 Uhr (ich merke das an, weil der Bus um 14:25 fuhr). Was ich noch nicht gemacht hatte, war das Abholen meines Merchandise-Packs im Merch-Shop, da ich das erst nach dem Besichtigen machen wollte und mich die Mädels auch etwas aus dem Konzept gebracht haben 😉 Außerdem nutzte ich die Gelegenheit, ein bisschen an Merch zu kaufen – einige Postkarten an ein paar mir bekannte Doctor Who-Fans, einen TARDIS-Schlüsselanhänger, der jetzt mein dauerhafter Begleiter ist und ein TARDIS-Poster, wobei ich überlegt hatte, dieses Motiv zu wählen. Insgesamt habe ich im Merch-Shop (ohne das Pack) so nur sieben Pfund bezahlt, der gesamte Besuch waren am Ende dann aber doch etwas mehr als 70 Euro 😀

Nach dem Ausfüllen der Postkarten, die ich letztendlich doch nicht abgeschickt hatte (siehe Woche 4), und der Entdeckung eines Daleks aus LEGO-Steinen am Eingangsbereich machte ich mich gegen 13:42 auf den Weg zum Megabus zurück nach London. Die Uhrzeit weiß ich so genau, weil um 13:41 der Bus von der Doctor Who Experience zum City Centre fuhr und ich ihn abfahren sah. Also ging es wieder zu Fuß (es regnete nicht mehr, wow) ins Stadtzentrum und ich wollte eigentlich noch etwas essen. Da ich um 14:15 auf der St. Mary’s Street ankam, hatte ich noch zehn Minuten und Fast Food bekam die Aufmerksamkeit, die es vom Namen her verdient hatte, denn ich holte mir bei McDonald’s eine große Portion Pommes 😀 Die aß ich dann auf dem Weg zum Bus auf und kam um 14:23 an der Bushaltestelle Kingsway (dort wo der Bus auch angekommen ist) an. Ich möchte noch einmal betonen, die Abfahrt des Busses war für 14:25 angesetzt! 😀
Wir sind dann aber doch erst um halb abgefahren und wieder kam diese Anonymität von Megabus, bzw. in England, hervor, die bei Flixbus nicht vorhanden war. Wieder gab es keine Ansage und keinerlei Informationen, als wir in Bristol hielten oder wann wir denn in London ankommen würden. Das faszinierende war aber, dass wir trotz des Feierabendverkehrs in London und der damit verbundenen besch…nen Gas-Bremse-Fahrweise des Busfahrers sogar ziemlich pünktlich in London Victoria ankamen. Die Busfahrt nutzte ich zum Schlafen, Schauen der zweiten Neo Magazin Royale-Folge, erneuten Schauen der Der Lehrer-Folge und Musik hören. Vom Ankünfte-Terminal ging es wieder zur Underground und eigentlich schon auf dem letzten Teil der Fahrt durch London, aber spätestens hier vermisste ich wieder die Tatsache, wie klein und kompakt Cardiff im Vergleich zu London war.

Erwähnenswert war am Abend noch das Aussteigen an der Blackhorse Road, denn die Schranken funktionierten nicht und man konnte mit der Oyster Card nicht auschecken, was an der Haltestelle selbst für Verwirrung sorgte bei allen Fahrgästen. Auch hier baue ich zur Auflösung jedoch einen Kliffhänger ein, denn an dem Sonntag warf ich mich dann gegen 19:20 dann einfach nur noch fertig ins Bett – wohlgemerkt, ohne noch was zu Essen, denn Hunger hatte ich eigentlich gar nicht so (okay für die Nudeln hatte ich auch keine Soße mehr, die hatte ich am Freitag beendet und die Toasts waren für das Frühstück am Montag ^^). Damit endet jetzt auch – endlich 😀 – der Blogeintrag der dritten Woche und ich muss hier mal wieder einen Hut ziehen, falls Du wirklich so weit gekommen bist und alles gelesen hast, immerhin sind das hier über 9.500 Worte und damit ist dieser Eintrag fast genauso lang wie Woche 1 und 2 zusammen… 😮

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