Welcome To New York – Tag 1: Das Feuer

Welcome to New York – mit diesem Lied von Taylor Swift als Dauerschleife hab ich am 9. August den Grundstein für ein weiteres Abenteuer dieses Jahr gelegt, welches alle bisherigen in ihren Schatten stellt: Schon seit Jahren träume ich (bekanntlich) davon, in die Vereinigten Staaten von Amerika zu reisen, doch fehlte mir immer das Geld oder jemand, der mitkommt – bzw. alternativ der Mut, um alleine zu reisen. Dieses Jahr jedoch hatte ich mit London und Wien bereits eine Menge an Erfahrungen sammeln können, die mir letztendlich auch für dieses Abenteuer helfen soll(t)en, doch der Reihe nach…

Zum Flughafen

Los ging es am Dienstag, den 13. September, Morgen deutscher Zeit – der Wecker klingelte um 6:20, ich war aber schon kurz vorher wach. Nach dem Fertig machen und den letzten Sachen packen ging es zu aller erst mit dem Bus zum Bad Godesberger Bf, wo immer noch die wunderschöne Treppenkonstruktion steht, da der Bahnhof kernsaniert wird. Dadurch habe ich leider die Regionalbahn verpasst, aber kein Ding – die nächste kam bereits in 20 Minuten und das war alles eingeplant. Also theoretisch, denn diese Bahn kam nie und eine Durchsage zum mysteriösen Verschwinden gab es ebenso wenig. Immerhin kam kurz darauf der RE, mit dem ich dann tatsächlich gegen 8:20 am Kölner Hbf ankam und eine halbe Stunde bis zur Abfahrt des ICEs zum Frankfurter Flughafen hatte. Diese halbe Stunde wollte ich für zwei Dinge nutzen: Zunächst schon mal ein wenig Geld wechseln, damit ich das nicht am Flughafen in New York machen muss, zum anderen mir eine Bordkarte ausdrucken, da es am Hauptbahnhof einen „Lufthansa Check-In“-Automaten geben soll (der ICE war Teil der Flugbuchung und hatte einen Flugcode wie ein ganz regulärer Flug) und ich die selbst ausgedruckten Bordkarten einfach nur hässlich finde.
Das erste irgendwann erledigt – und das erste Mal US-Dollar in meinen Händen – scheiterte es am zweiten, denn ich konnte diesen dämlichen Automaten nicht finden und gab irgendwann die Suche auf, sonst wäre der Zug wohl ohne mich losgefahren.

Zum Flugzeug

Eine knappe Stunde ICE-Fahrt später (selbstverständlich war der Wagen in dem ich saß in Köln ganz vorne und in Frankfurt ganz hinten von den Treppen aus gesehen) kam dieser am Frankfurter Flughafen zum Stehen – es war 9:50 und der Abflug war um 11 Uhr, Boarding ab 10:15. Bevor mich hier jetzt jemand als leichtsinnig bezeichnen will, wie denn rund 45 Minuten zwischen ICE-Tür und Boarding-Gate ausreichen sein sollen: Diese Kombination wurde so auf der Lufthansa-Webseite vorgeschlagen und ließ sich leider nicht ändern.
Also ging es mit einem permanenten Blick auf die Uhr zunächst in das Abenteuer Frankfurter Flughafen: Direkt am Bahnhof gab es Check-In-Schalter der Lufthansa (laut Ausdruck sollte ich mein Gepäck am „Gepäckautomaten“ abgeben, konnte diesen aber nicht finden) sowie einen allgemeinen Check-In-Schalter für alles außer Lufthansa, aber mit der zusätzlichen Aufschrift „AIRail“ (so hieß die ICE-Verbindung), bei dem ich mich zunächst anstellte (bei den Lufthansa-Schaltern war eine gigantische Schlange). Leider musste mir der Herr an diesem Schalter trotz Beschriftung vermelden, dass ich da nicht mein Gepäck dalassen konnte, also half mir die Dame vor der Lufthansa-Schlange, wo ich denn alternative Gepäckaufgabe-Möglichkeiten in der Halle finden würde. Gesagt, getan und sofort (bzw. nach Ausdruck einer richtigen Bordkarte an den dort vorhandenen Automaten 😉 ) ging es in die Halle, wo ich meinen Koffer dann tatsächlich an einem Gepäckautomaten losgeworden bin – letztendlich ein Schalter für die Gepäckaufgabe, wo statt einer Person ein resistiver Touchscreen steht, wo man das Ticket einscannen, den Koffer auf das Band stellen und den Aufkleber aufkleben muss.

Das geschafft (keine Ahnung mehr wie viel Uhr es war) ging es endlich zum Gate. Dieses hörte auf den Namen C14 und befand sich gefühlt vom Bahnhof aus am komplett anderen Ende des Flughafens. Zwei Hindernisse gab es davor aber noch, nämlich die (auch hier automatische) Passkontrolle, wo ich ewig gebraucht habe um zu verstehen wie ich den Pass korrekt hinlegen muss, damit er gescannt werden kann und die Sicherheitskontrolle, die aber sehr schnell ging. Einen gefühlten knappen Kilometer später hatte ich es dann endlich geschafft und kam an Gate C14 an. Das Boarding hatte bereits begonnen, doch ich nutzte die ewige Schlange (in einen A380 passen ein paar Leute mehr rein als in das, womit ich sonst so fliege 😉 ) für eine kurze Pause, zum Luft holen, WC und was trinken (es gab einen Trinkwasserspender in der Nähe), ehe es nach dem Durchschreiten des Gates und einer weiteren Pass- und Ticketkontrolle direkt vor der Flugzeugtür in das Monstrum namens Airbus A380-800 ging…

Der Flug

Ich hatte mir im Voraus einiges an Gedanken zum Sitzplatz gemacht, sodass ich hier während des Fluges ganz zufrieden war: Mein Sitz (91K) war ein Fensterplatz unten ziemlich weit hinten und auf der rechten Seite des Flugzeugs. Insbesondere letzteres war von Bedeutung, denn die Sonne befand sich während des gesamten Fluges auf der Südseite, was ich dank der praktischen Webseite SunFlight.net herausgefunden hatte und da hätte man die ganze Zeit die Vorhänge runterziehen müssen, was ich aber doof gefunden hätte. Zu Beginn gab es ein Video mit den Sicherheitsvorkehrungen (ich war irgendwie beeindruckt von den 16 Notausgängen, wenn man sonst immer nur an acht gewohnt ist) und den Hinweis, dass die Nutzung von Mobiltelefonen des Modells Samsung Galaxy Note 7 während des gesamten Fluges nicht erlaubt ist (da Brandgefahr), anschließend ging es auf in die Luft.
Der Fensterplatz war während der acht Stunden gar nicht so besonders, man sah zwar die Küste Großbritanniens, Irlands und irgendwann Kanadas, missen wollte ich ihn aufgrund des Platzes aber trotzdem nicht, da ich es nicht wirklich mag, zwischen zwei Leuten oder am Gang eingepfercht zu sein. Bei der Wahl es Sitzplatzes hatte ich mich davor im Internet umgehört, welche denn die besten seien und dort heulten viele wegen der geringen Beinfreiheit in der Economy Class rum, ein Punkt den ich absolut gar nicht verstehen konnte, vermutlich aber auch weil ich nach teilweise 13-stündigen Fernbusfahrten schon einiges gewöhnt war.

In der Rückenlehne des Vordermannes befand sich ein Entertainment-Monitor (wieder mit resistivem Touchscreen), der einiges an Serien und Filmen bot. Dazu gehörte zum Beispiel der noch relativ neue Angry Birds-Film, eine Friends-Folge oder die neunte Staffel The Big Bang Theory. Was ich für mich entdeckte, war die gesamte dritte Staffel Silicon Valley, die ich dann auch in einem Rutsch durchgesuchtet hatte, auch wenn ich die zweite noch nicht zu Ende geschaut hatte (10 Folgen a 30 Minuten, Empfehlung kann ich definitiv wieder aussprechen 😀 ). Zwischendurch gab es einen kleinen Laugengebäck-Snack, ein Mittagessen und einen weiteren Snack in Form einer vegetarischen Pizza (alternativ „Weißwurst-Pralinen“). Das Mittagessen schmeckte ganz gut und zwischendurch gab es immer mal wieder Getränke.
Insgesamt vergingen die knapp acht Stunden schneller als erwartet auch wenn ich den ersten Ansatz von Müdigkeit bereits beim Ende der Staffel merkte und gegen Ende noch ein bisschen die Augen zumachte, ehe wir auf dem John F. Kennedy-Flughafen in New York landeten, nachdem man auf meiner Seite bereits aus dem Fenster die Skyline erspähen konnte. Beim Sinkflug sah man zudem die ewig geraden Highways, auf denen ich zu gerne herumfahren würde, auch wenn ich mir das mit höchstens 55 oder 75 mph (rund 110 oder 130 km/h) sehr langweilig vorstelle.

Zur Unterkunft – oder auch: Die ersten Schritte auf amerikanischem Boden

Gelandet, Parkposition erreicht und Flugzeug verlassen ging es zunächst durch die Einreisekontrolle. Man durfte keine Fotos machen (in Frankfurt hatte ich dafür keine Zeit ^^), die Halle war etwas stickig, ziemlich voll und insgesamt verbrachte ich eine Dreiviertelstunde in der Warteschlange, ehe der Herr mich freundlich begrüßte, meinen Pass scannte, zwei drei Fragen stellte, Fingerabdrücke nahm und ein Foto machte, bis er mich in den USA willkommen hieß und mir einen schönen Aufenthalt wünschte. Kurz darauf mein Gepäckstück gefunden ging es durch eine zweite Kontrolle, die mich etwas verwirrte, auch weil sie sehr schlecht ausgeschildert war: Während des Fluges wurde ein Zettel verteilt, wo man neben den persönlichen Daten ausfüllen musste, was man an Nahrungsmittel oder zu deklarierenden Waren mitnimmt und nachdem der erste Herr etwas auf diesen Zettel gekritzelt hatte, wurde jener bei der zweiten Kontrolle eingesammelt und nach einem flüchtigen Blick vom Mitarbeiter war man durch.
Zeit, das Terminal zu verlassen und den Schildern zum AirTrain zu folgen, der Verbindung zwischen Flughafen und Subway. Dabei stieß ich bereits auf eine erste Sache, die ich zu Beginn nicht verstanden hatte: Fußgängerampeln. Es gibt in NYC (oder in den USA allgemein?) zwei Typen von Fußgängerampeln: Erstens welche mit einem weißen gehenden Männchen oder einer roten Hand (für Stehen), die gelegentlich blinkt, was bedeutet, dass es gleich rot wird. Zweitens solche bei denen die rote Hand nicht blinkt, sondern daneben dann ein Countdown runtertickt, wie lange die Ampel noch braucht bis sie rot wird (was aber auch interpretierbar wäre als wie lange die Ampel noch rot ist). Letztere begrüßten mich am Flughafen und sorgten dafür, dass ich anderthalb Rotphasen wartete, ehe ich über die Straße ging, da mir der Interpretationsspielraum hier doch etwas weit war 😀

Ich war an Terminal 1 angekommen und der AirTrain fuhr gegen den Uhrzeigersinn alle Terminals ab, ehe er entweder in Richtung Jamaika Station oder Howard Beach Station fuhr. So konnte ich einmal um den gesamten Flughafen herumfahren, ehe ich an der Subway-Station ankam und so langsam fing mein Kopf wirklich an zu realisieren, dass ich gerade tatsächlich da war wo ich war.
Doch viel Zeit zum Grübeln blieb nicht, denn an der Howard Beach Station angekommen musste ich diese verlassen und wieder betreten, da der AirTrain $5 kostet und die Fahrt mit der Subway $2,75. Und dafür gab es zwei Schranken, weil der AirTrain auf dem Flughafengelände kostenlos ist. An der Schranke selbst warf man selbstverständlich kein Bargeld ein, sondern musste die MetroCard (das Pendant zur OysterCard in London) durchschieben, bzw. reinstecken. Diese musste man vorher am Automaten kaufen, was ich, nachdem ich mir überlegt hatte wie viel ich denn aufladen wollte, dann auch tatsächlich hinbekommen hatte. Die zweite Schranke passiert landete ich eine Treppe weiter unten auf dem Bahnsteig, doch es dauerte ein wenig ehe ich verstand, dass ich auf der falschen Seite stand, was sich einfach daraus ergeben hatte, dass ich beim Durchschreiten der zweiten Schranke nur eine Treppe runter wahrgenommen hatte (die Schranken und Automaten waren allesamt über den Gleisen). Also wieder hoch und wieder runter, dieses Mal aber richtig, denn von hier fuhr laut Beschriftung die Linie A nach Manhattan, die nach ca. zehn Minuten dann auch tatsächlich mal erschien.

Ich muss zugeben, ich war enttäuscht: Insbesondere im Vergleich zur Londoner Underground sieht die New Yorker Subway einfach nur zweckmäßig, ziemlich heruntergekommen und in keinster Weise schön aus. Es gibt an den Seiten jedes Wagens einen kleinen Monitor der die nächste Station anzeigt, aber nur schwer zu lesen ist, auch die Ansagen waren für mich überhaupt nicht verständlich. Einen Gesamtplan, wie ich ihn mittlerweile in jeder Stadt an der Seite/Decke kleben sehen habe, gibt es in den Wagen auch nicht. Auch die Subway-Stationen sehen arg heruntergekommen aus und sind – im Gegensatz zu den Wagen selber – gar nicht klimatisiert, sondern es herrscht dort eine sehr sehr stickige Luft.

Trotzdem – oder glücklicherweise? – stieg ich irgendwann an der Nostand Avenue aus und bahnte mir Umweg eingeschlossen einen Weg zu meiner AirBnb-Unterkunft in Brooklyn. Dieser Weg war gar nicht mal so schwer, dauerte dank Umweg knapp zehn Minuten (sonst fünf) und führte über eine ziemlich stark bevölkerte und besuchte Einkaufs- und Hauptstraße, die wie der ganze Stadtteil eher von farbigen Menschen bevölkert wurde, wo man sich insbesondere zu Beginn schon ein klein wenig falsch vorkam. Weg von der Hauptstraße wurde es dann ruhiger und irgendwann fand ich auch das Apartment, bei dem ich nach kurzem Anruf willkommen geheißen wurde. Insgesamt leben hier mit mir nun vier Leute, von denen die drei anderen überwiegend nachts arbeiten und das in einem Restaurant, zu dem ich auch gleich eingeladen wurde. Das Apartment ist vergleichsweise modern eingerichtet und erscheint trotz der geringen Größe ziemlich groß, wofür der offene und verbundene Wohn- und Essbereich sorgt. In meinem Zimmer gibt es ein großes Bett (nur für mich (bin mir nicht ganz sicher, welcher Smiley hier jetzt hingehört ^^)), zwei Schränke und ein paar kleine Tischlein. Außerdem gibt es eine Klimaanlage und einen Fernseher, dessen Antenne aber kaputt ist, dazu ein Bad und ein Gäste-WC.
Nach einer kleinen Führung durch die Wohnung und ein bisschen Gequatsche mit der Freundin des Typen, der das Zimmer auf AirBnb gestellt hatte, zu der Zeit aber arbeiten ist, entspannte ich mich kurz auf dem Bett (es waren von Tür zu Tür immerhin 15 Stunden, obwohl ich um 7:15 aus dem Haus gegangen bin und um 16:15 das andere betreten habe) und ging erst einmal einkaufen, um auch etwas zu Essen zu haben – das Mittagessen im Flugzeug war zwar lecker, groß ist aber etwas anderes 😀

Der Supermarkt direkt neben dem Burger King (gegenüber von einem KFC btw ^^) auf der Hauptstraße, der mir von der Bewohnerin empfohlen wurde, war schnell gefunden, nicht sonderlich groß, bot aber alles was man zum Leben brauchte. Ich als preisbewusster Mensch stellte ziemlich schnell das fest, was ich schon öfter gehört hatte und was mir mal eine Mitfahrgelegenheit erzählt hatte: Sich gesund in den USA ernähren ist schweineteuer. Es ist letztendlich nicht so, dass die Cola viel billiger ist als zum Beispiel eine Flasche Apfelsaft, sie ist aber billiger. Gleiches zog sich mehr oder weniger durch den gesamten Laden, sodass ich für ein Packung Toast (es gab zwar „Brot“, aber das war ziemlich labrig vom Gefühl her), eine Flasche Butter (richtig gelesen, eine Sprühflasche Butter 😀 Die anderen Butterpackungen waren alle viel zu groß), eine Packung Käse, Schinken (mit vier Scheiben), Nudeln, Tomatensoße und eine Flasche Apfelsaft $10 bezahlt habe. Ein schlechtes Gewissen hatte ich darüber hinaus gegenüber der Umwelt an der Kasse, als der Kassierer die Einkäufe nach dem Scannen selbst in Plastiktüten packte. Insgesamt zwei Tüten a zwei Tüten (die waren wohl nicht so stabil) gingen da drauf, wobei ich behaupte mit der Apfelsaft-Flasche in der Hand hätte ich das alles auch in meinen Jutebeutel bekommen, den ich dabei hatte, aber ich hab mich da eher langsam an das Land herangetastet.
In der Unterkunft wieder angekommen ging es erst einmal ans Essen, ehe ich mir – es war gegen 18 Uhr – einen Plan überlegte, was ich an dem Tag noch machen wollte. Dazu warf ich einen Blick auf die Karte und beschloss, zur Manhattan und Brooklyn Bridge zu gehen, denn diese waren auf der Karte „gar nicht mal soweit entfernt“ und wenn ich mich ein bisschen beeilte, erwischte ich noch den Sonnenuntergang. Soweit die Theorie: Ohne große Umwege oder Verlaufen vorbei an Der StammKneipe ging es nach DUMBO, einen Stadtteil, der wenig mit Dumbo, dem fliegenden Elefanten, aber mehr mit der Abkürzung von Down Under the Manhattan Bridge Overpass zu tun hat. Auf dem Weg dahin wurde es immer dunkler, sodass die Chancen zum Sonnenuntergang dazu sein sanken, doch schon auf dem Weg konnte man die Skyline immer näher kommen sehen – und mein Grinsen immer größer werden…

Ein unerwartetes Abenteuer

Am Wasser angekommen (nach anderthalb Stunden knapp fünf Kilometern Fußweg) hatte das Grinsen dann die breitesten Züge angekommen und die 15 Stunden Reisen mit Bus, Bahn, Zug, Flugzeug, AirTrain und Subway waren von einem Moment auf den anderen wie vergessen. Einige Jahre nachdem der Traum der USA anfing in meinem Herzen größer zu werden, hatte ich jegliche Angst überwunden (oder zumindest ausgeschaltet) und stand nun da, am Ufer des East River mit der atemberaubenden Nacht-Skyline von Manhattan vor mir. Die alle paar Minuten über die Manhattan Bridge über mir vorbeibretternden Subway-Züge hatte ich am Ufer gar nicht wahr genommen, erst später machte mich ein gewisser Herr darauf aufmerksam, dass jene dort zu hören waren.

Am Geländer war außer mir eine asiatische Vierergruppe: Ein Pärchen welches wohl heirateten würde oder Pärchenfotos machte, dazu der Fotograf und eine Freundin von ihr, die dem ganzen einfach nur Gesellschaft leistete. Ich hatte die Asiaten eine Zeit lang beobachtet und wollte sie fragen, ob sie vielleicht ein Foto von mir mit der Skyline im Hintergrund machen könnten – denn ich meine, wer hat mehr Ahnung von der Materie als Asiaten. Allerdings ist wollte hier die falsche Zeitform, denn ich konnte meinen inneren Schweinehund nicht überwinden. Normalerweise bleibt so etwas in meinem Kopf dann als Moment festhängen, den ich mein halbes Leben lang bereue und mir vorstelle, was wäre wenn. Dieses Mal war das aber nicht so: Hin und wieder kamen ein paar andere Menschen vorbei, die spazieren waren, joggen gingen und gelegentlich für ein paar Fotos anhielten. Einer war mit einer Spiegelreflexkamera unterwegs und machte von außen betrachtet Fotos, die weniger typisch waren, nämlich nicht von der Skyline selbst, sondern von den Spiegelungen der Lichter im Wasser. Insgesamt aus drei Positionen machte er Fotos rechts und links von mir und die Kamera immer in Bewegung. Man merkte ihm an, dass er weiß was er tut, nicht nur weil er ein Dutzend Mal auf den Auslöser drückte.

Also überwand ich irgendwann tatsächlich meinen Schweinehund und fragte den Herren, ob er denn ein Foto von mir machen könne. Da es ziemlich dunkel war und mein Handy da nicht viel hinbekam, machte er ein paar mit seiner Kamera, jedoch mit besonderem Motiv inspiriert durch ein Foto, welches er vor wenigen Minuten gemacht hatte: Ich sollte ein hell erleuchtetes Handy in der Hand halten, so tun als ob ich es benutzen und drauf schauen würde und er würde diese Szene in einem Foto einfangen. Leider hatte er kein Stativ dabei meinte er, doch die Bilder sahen schon irgendwie besonders aus. Es stellte sich darüber hinaus heraus, dass der Herr, nennen wir ihn ab jetzt Bart, aus Polen kam, polnisch konnte und eine ordentliche – na ja eher chaotische – Labertasche war. Dies stellte er im Verlauf des Abends unter Beweis, denn beim Betrachten der Skyline sahen wir über den FDR Drive an der Südküste entlang eine größere Polizei- und Feuerwehrmannschaft mit Blaulichtern über den Highway eilen und wie uns eine News-App verriet, gab es in SoHo ein größeres Feuer. Zum einen war die Fotografenneugier von Bart geweckt, zum anderen hatte er dort in der Nähe mal gearbeitet, also schlug er vor, dort in der Nähe vorbeizuschauen. Da ich eh nichts vorhatte, hatte ich der Idee nichts auszusetzen und wir machten uns auf den Weg (an dieser Stelle sei kurz eingeworfen: Ich weiß, dass man nicht jedem Fremden vertrauen darf und gerade in so einer Stadt immer wachsam bleiben muss, aber meist hat man ja ein entsprechendes Bauchgefühl, also spart euch die Moralpredigt 😀 ).
Wir machten uns also auf in Richtung SoHo, zu Fuß wohlgemerkt. Dies bedeutete erst ein Stück weg vom Fluss, sodass man auf die Manhattan Bridge gelangen konnte und dann über die Manhattan Bridge, auf welche oben besagte laute Subway-Züge ihre lauten polterten Töne von sich gaben, sodass man eine Konversation alle paar Minuten wieder unterbrechen musste, weil man in der Zeit nicht mal sein eigenes Wort verstehen konnte. Die Aussicht auf den FDR Drive, als wir direkt über ihm standen, war es jedoch wert.

Ein wenig weiter und vier Kilometer Fußweg hinter uns kamen wir an der Stelle an, wo das Feuer gewesen ist. Die Strecke bis dahin vertrieben wir uns mit ein wenig Gerede, wobei er in erster Linie von New York erzählte, wo er schon seit rund 30 Jahren wohnte und ich ihm halb aufmerksam, meist aber schweigsam zuhörte, weil ich war ja schon seit fast 22 Stunden auf den Beinen. Das Feuer selbst war mittlerweile schon gelöscht, insgesamt waren laut Nachrichten (hier so und da so) drei Gebäude betroffen, es wurde aber niemand großartig verletzt und zwei Tiere konnten aus den Häusern gerettet werden. Vor Ort beobachteten wir das Treiben der Feuerwehrfahrzeuge und Einsatzeinheiten und machten auch einige Fotos (hier merkte man ihm wieder bei den Motiven die Professionalität an, bei meinen Fotos sah man doch eher die Müdigkeit ^^), wobei ich mich irgendwie schlecht fühlte, weil ich das Gefühl hatte, die Leute bei ihrer Arbeit zu behindern (es war nichts mehr groß am Geschehen und die meisten standen nur herum, aber trotzdem). Vor Ort war auch ein Fernsehwagen anzutreffen, der die Videomeldung aus der ersten Quelle noch am gleichen Abend ins Fernsehen und Internet brachte.

Anschließend machten wir uns auf den Weg zur Subway, da ich den ganzen Weg zurücklatschen nicht mitgemacht hätte, er aber auch nicht. Mit jener, einer schnelleren Express-Linie, die nicht an jeder Station hielt, fuhren wir zwei Haltestellen, dabei wieder zurück über die Manhattan Bridge und nach einem Stück Busfahrt wo ich lernte, dass man zwischen Subway und Bus einmal umsonst umsteigen kann, wenn man keine Dauerkarte hat, schauten wir kurz bei ihm zu Hause vorbei (na ja, es war ein Zimmer bei einer älteren Dame, die jenes untervermietete), wo wir uns stärkten und er mich in seinem „Portfolio“ herumblättern ließ, welches ich als Fotografie-Laie aber gar nicht so spannend fand, vermutlich aber auch wegen der Erschöpfung. Unter anderem weil er noch sein Auto umstellen musste, fuhr er mich anschließend auch noch bis vor die Hause, wovor ich großen Respekt hatte, weil er dafür kein Navi gebraucht hat; am Ende habe ich ihm aber auch geholfen, weil ich unter anderem den Supermarkt neben dem Burger King wiederentdeckt hatte, bei dem ich wenige Stunden zuvor noch einkaufen war. Während der Fahrt bedankte er sich bei mir mehrmals für mein Vertrauen, ich wiederum dafür, dass ich noch lebte (haha, nein natürlich hab ich das nicht gesagt). In dem Apartment angekommen stellte ich mich zunächst unter die Dusche und warf ich mich gegen Mitternacht, also nach 24 Stunden auf den Beinen, endlich wohl verdient ins Bett. Ich hatte noch angefangen, diesen Blogeintrag zu schreiben aber über den ersten Absatz hinaus bin ich nicht gekommen, ehe ich den Laptop zur Seite und mich Schlafen gelegt habe…

Es sei schon mal erwähnt, dass der zweite Tag eher nicht so lang sein wird, da ich die Hälfte mit diesem Blogeintrag verbracht habe und auch etwas Zeit zum Erholen gebraucht hab 😉

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *