Kommentar zu: Emoji – Der Film

Vor einer Woche trieb es mich mal wieder ins Kino und auf der Kinokarte stand Emoji – Der Film, über den ich nachfolgend ein paar Worte verlieren möchte. Es sei erwähnt, dass ich in diesen Film mit etwa den gleichen Erwartungen gegangen bin, wie in The Boss Baby – keinen. Eine Enttäuschung konnte es dementsprechend nicht werden und wurde es auch nicht, doch dazu gleich mehr…

(im nachfolgenden Absatz herrscht Spoilergefahr!) In dem Film geht es um die Emojis, die im Smartphone von Alex, einem pubertierenden Schüler, ihr eigenes Leben entwickelt haben. Immer dann, wenn Alex ein Emoji versendet, wird der jeweilige Emoji-Charakter als Foto gescannt, weshalb es für die Charaktere wichtig ist, ihren Gesichtsausdruck auf Abruf perfekt zu beherrschen. Die Hauptrolle spielt dabei Gene, der zum ersten Mal von seinen Eltern die Chance bekommt, den „Meh“-Gesichtsausdruck darzustellen, was ihm als blutiger Anfänger misslingt und dafür sorgt, dass Alex‘ Schwarm an ihm kein Interesse mehr hat. Daraufhin wird Gene von der Chefin als Programmierfehler erklärt, da er nicht einen Gesichtsausdruck halten kann und je nach Stimmung zwischen fröhlich, traurig, weinend, etc. wechselt. Die Chefin schickt Bots los um ihn zu – na sagen wir eliminieren. Zu Beginn dieser Jagd trifft Gene auf den etwas tollpatschigen High-Five-Emoji, der zu den Favoriten der ersten Stunde gehörte, die in Textopolis einen besonderen VIP-Platz erhalten, von dem sie wenn nötig für den Scan aufgerufen werden.
High-Five nimmt sich dem Problem von Gene an und schlägt vor, Jailbreak zu konsultieren, die ihn umprogrammieren könnte, was allerdings nicht auf dem Smartphone selbst möglich ist und so machen sich Gene, High-Five und Jailbreak auf ein Abenteuer zur Dropbox auf, wo sie deutlich mehr Rechte hat und eine Umprogrammierung vornehmen kann.

Auf den ersten Blick erscheint die Story des Films nicht sonderlich kreativ oder einfallsreich, was sich auch bis zum Ende nicht ändert. Insgesamt kann der Film eher durch flache Situationskomik auffallen, als durch eine tiefe oder emotionale Handlung. Diese Komik findet sich gerade vor dem Start der Reise der Hauptprotagonisten in wahrscheinlich jeglichen nur möglichen Witzen und Wortspielen zum Kackhaufen-Emoji wieder. Die Reise selbst besteht aus dem Durchqueren diverser Apps, die wie nebeneinander liegende Länder verbildlicht werden, in denen die drei Protagonisten unterschiedliche Herausforderungen überstehen müssen. Dazu gehört eine Runde Candy Crush oder ein Tanz zu Wake Me Up Before You Go Go von Wham! in Just Dance. Die sozialen Netzwerke wie Facebook, Instagram oder YouTube erscheinen dabei in all ihren Klischees, so wird Instagram als Selbstdarstellungsplattform gezeigt und die Bots auf der Jagd nach Gene in YouTube von einem Katzenvideo abgelenkt. Viele Reviews kritisieren hier die enorme Menge an Schleichwerbung, wobei die sozialen Netzwerke tagtäglich vertreten sind und meiner Meinung nach ein solcher Film ohne Teile davon keinen Sinn macht. Ob dabei Spotify als beste Streaming-Plattform bezeichnet werden muss oder gerade die Dropbox den Himmel auf Erden darstellen muss (ein schlechtes Wortspiel mit der Cloud an dieser Stelle), sei dahingestellt, doch empfand ich persönlich, der Tag für Tag mit den Netzwerken zu tun, diese in dem Film nicht als störend.

Der Film bemüht sich darum, die technischen Aspekte auf einer halbwegs spielerischen Ebene korrekt wiederzugeben. Dies gelingt bis auf das Ende auch ganz ordentlich, was da aber auf den sonst fehlenden Spannungsbogen zurückzuführen sei. Perspektivisch auf die Zukunft konnte mir der Moment im Kopf bleiben, bei dem Genes Eltern in Instagram in ein Foto reingehen und sich dann in einer dreidimensionalen Momentaufnahme an einem Springbrunnen in Paris mit dem Eiffelturm im Hintergrund befinden. In dieser Szene wie auch im ganzen Film konnten die grafischen Elemente die verspielte Welt der Emojis passend untermalen.

Fazit: Wer in Emoji – Der Film eine tiefgründige und emotionale oder sonderlich spannende Story erwartet, wird daran vermutlich keine große Freude finden. Ansonsten konnten sowohl die liebevolle Animation, der durchgehend flach gehaltene Humor wie auch die weitestgehend spielerisch-technische Korrektheit zumindest mich überzeugen (begeistern wäre jetzt der falsche Begriff), dass ich es nach dem Kino nicht bereut habe, den Film gesehen zu haben und mich gut unterhalten gefühlt habe. Eine entscheidende Rolle wird hierbei sicherlich Christoph Maria Herbst in der Synchronstimme von High-Five gespielt haben. Insgesamt glaube ich aber, dass Kinder, die auf den ersten Blick die primäre Zielgruppe sein sollen, nur bedingt viel zu lachen haben. Immerhin versucht sich der Film am Ende noch daran zu zeigen, dass ein Smartphone nicht die Welt da draußen komplett ersetzen kann.

Bis heute frage ich mich außerdem noch, ob es bei den drei Hauptcharakteren bewusste Parallelen zur Unterwasserwelt von Bikini Bottom gibt, die rein optisch, aber auch charakterlich bei SpongeBob und Gene, Patrick und High-Five und Thaddäus und Jailbreak zu finden sind…

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