Kommentar zur ersten Saison der Formel E und dem London ePrix/Saisonfinale

Nach einem kleinen Rennbericht folgt unten ein Fazit nach der ersten Saison, was die Rennen, die Organisation und die Übertragungen angeht.

Der London ePrix – Runde 2

Mit dem Doppel-Rennwochenende im Battersea Park in London endete nun die erste Saison der Formel E. Per Zufall beim Zappen aufgrund der Location hängen geblieben, habe ich seit dem Miami ePrix die zweite Saisonhälfte mehr oder weniger komplett verfolgt, bis auf das Moskau-Rennen, welches ja leider nicht live auf Sky übertragen wurde.

Warum bin ich hängengeblieben? Nun, unvergesslich bleibt mir die Erinnerung vom dramatischen Finale des Miami-Rennens im Kopf, welches Nicolas Prost nur mit einer halben Sekunde vor Scott Speed für sich entscheiden konnte – im Vergleich zur etwa gleichzeitig startenden aktuellen, doch eher begrenzt spannenden, Formel 1-Saison 2015 eine gelungene Abwechslung. Zwar konnten die Rennen danach nicht so ganz die gleiche Spannung und Action bieten, doch langweilig wurde es nie und die Autowechsel aufgrund der geringen Batteriekapazität fand ich jedes Mal irgendwie lustig 😀

Mit dem 11. Saisonrennen in London, welches gleichzeitig das Finale war, hatten mit Nelson Piquet jr, Sébastien Buemi und Lucas di Grassi noch drei Fahrer Chancen auf den ersten Titel – mit 13 Punkten Rückstand beim Formel 1-Punktesystem (25 für den Sieger, 18 für den 2., etc.) mit zusätzlich 3 Pkt. für die Pole und 2 für die schnellste Runde war auch für di Grassi noch alles drin. Die Rennstrecke selbst hatte am Vortag nur für bedingte Spannung gesorgt, jedoch fordert sie aufgrund der Gegebenheiten (im Park) und der noch engeren Führung als in Monaco alles vom Fahrer ab und der kleinste Fehler wird direkt bestraft.

Das Qualifying sorgte aufgrund des Regens in der Mitte für eine durchgewürfelte Startaufstellung, in welcher der Meisterschafts-Führende Piquet von Position 16 startete, während Buemi einen vergleichsweise komfortablen 6. Platz hatte. Im Rennen selbst konnte sich Piquet direkt beim Start (im Gegensatz zum Sa-Rennen nicht hinter dem Safety Car) auf Platz 12 vorschieben, danach blieb Überholen aber schwierig. Allerdings konnte er seine Batteriekapazitäten sehr gut aufteilen und den ersten Stint zwei Runden länger wie die anderen fahren, was ihn gegen Rennmitte auf P10 brachte – mit knapp 10 Sekunden auf Vordermann und Teamkollege Oliver Turvey.

Buemi fuhr hingegen zielsicher auf Platz 5 dem ersten Titel der Serie entgegen, doch dann war das Glück auf der Seite von Piquet. Zuerst bekam Jean-Eric Vergne, der einer der Fahrer zwischen Buemi und Piquet war, eine Durchfahrtsstrafe, dann drehte sich Buemi auf den noch kalten Reifen des 2. Wagens, sodass Senna an ihm vorbeischlüpfen konnte. Letztendlich landete der Neuling Leimer nach Verbremser in der Mauer und sorgte für eine Safety Car-Phase – Piquet war wieder an den Vordermännern dran, Buemi nur noch auf 6.

Gewinner der ersten Formel E-Saison Nelson Piquet im Battersea Park beim London ePrix2014/2015 FIA Formula E Championship.
London e-Prix, Battersea Park, London, UK.
Sunday 28 June 2015.
World Copyright: Steven Tee/LAT Photographic/Formula E.
ref: Digital Image _L4R0982

Nach einem unspektakulären Restart und der Team-Zusammenarbeit zwischen Piquet und Turvey konnte der Brasilianer dann auch noch Duran überholen und war nun direkt hinter seinen Verfolgern der Gesamtwertung. Buemi selbst hätte an Senna vorbeikommen müssen, doch biss er sich die letzten Runden die Finger an ihm aus – ohne Erfolg: Die Piloten Senna, Buemi, di Grassi und Piquet kamen innerhalb von knapp 1,5 Sekunden unverändert übers Ziel, was für Piquet die Meisterschaft bedeutete. Verwirrend war zeitweise, wer die zwei, durchaus entscheidenden, Punkte für die schnellste Runde bekam, doch gingen diese am Ende an den Lokalmatador Sam Bird, der auch das Rennen gewinnen konnte – auch wenn er nur als Zweiter ins Ziel kam, aber der Sieger, Sarrazin, der einen kontrollierten aber nicht ganz einfachen Start-Ziel-Sieg einfahren konnte, bekam nachträglich eine Drive Through-Penalty (bzw. eine 49s-Zeitstrafe), da er zu viel Energie verbraucht hatte, sodass er ans Ende des Feldes durchgereicht wurde.

Fazit zur ersten Saison

Was die erste Saison angeht, ist, soweit verfolgt, das Fazit durchaus positiv, aber natürlich mit Verbesserungspotential (ist ja auch die erste Saison). Spannung und Rennaction waren auf jeden Fall gegeben, hier braucht sich die Formel E selbst gegenüber großen Namen wie der Formel 1 nicht zu verstecken (wobei anderes Thema ^^). Die Organisation war (leider war ich bei keinem Rennen vor Ort, deshalb nur aus der TV-Perspektive) ganz okay, wobei die Zeremonien nach dem Rennen (Siegerehrung, etc.) teilweise etwas unorganisiert und durcheinander wirken – die echten Flaggen über dem Podest sind aber um Längen besser wie die „Scheiben“ bei der F1.

Bei der Übertragung wird wieder auf eine Weltregie gesetzt. Die Grafiken könnten teilweise mehr Inhalt zeigen, insbesondere die Abstände wurden in London kaum eingeblendet, dafür aber (zu) oft die verbleibenden Batteriestände. Dass das Klassement immer links vollständig zu sehen war, finde ich aber besser wie bei der F1, wo es unten „durchscrollt“. Die Verwirrung, wer gerade die Punkte für die schnellste Runde bekommt, könnte man mit einer Markierung im Klassement lösen. Die detaillierte Anzeige von Gang, Batterie, Geschwindigkeit, Gas/Bremse, etc. könnte etwas einfacher sein: Der FOX Sports-Kommentator hat in diesem Video fast eine Runde gebraucht, um diese zu erklären.

Auf deutscher Seite hat sich Sky die exklusiven Übertragungsrechte gesichert, was leider die erreichbare Zielgruppe einschränkt. Größter Nachteil ist hier, dass das Live Streaming der Saisons über die Webseite in Deutschland deshalb deaktiviert ist, Sky selbst aber nur das eigentliche Rennen überträgt. Außerdem sind die Kommentatoren, Sven Heidfeld und der andere, dessen Namen ich leider nicht finden konnte (Sascha Roos war es heute nicht), nicht wirklich in der Lage, Spannung zu vermitteln: Das eher langweilige Samstagsrennen in London war von dem Kommentar dank Sascha deutlich „herausragender“ wie das Sonntagsrennen, welches durch das Renngeschehen noch viel mehr Potential bot.

Insgesamt aber eine durchaus positive Saison und ich bin schon gespannt auf die zweite – dann hoffentlich mit einer Windows 10-App 😉

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