#firstworldproblems – oder auch: Die Dinge im Leben wertschätzen

Eine Woche später als so ziemlich alle bin auch ich mal auf das Video von Kelly „aka MissesVlog“ gestoßen, in dem sie einen kleinen Nervenzusammenbruch vor der Kamera hat. In (meiner) kurzen Zusammenfassung beklagt sie sich in dem Video ganz allgemein darüber, wie anstrengend das Leben als YouTuber ist, wie viele Videos aufgenommen werden müssen, wie wenige Ideen in den Sinn kommen, wie viele Termine wahrgenommen werden müssen und zur gleichen Zeit ist ihr dabei auch noch ihr Laptop kaputt gegangen und sie hat eine Speicherkarte mit Filmaufnahmen verloren – zusammengefasst: Sie hatte ne richtig miese Woche. Ich bin zwar kein YouTuber, auch wenn ich mal ne Phase hatte, wo ich gerne einer geworden wäre, aber irgendwas in mir zwingt mich dazu, mich etwas allgemeiner zu dem Thema hier dann doch auszulassen, weil ich in meinem beruflichen Umkreis doch gelegentlich ähnliches „Gemeckere“ höre.

Bei uns sind das dann aber weniger kaputte Laptops oder viele Termine, sondern Dauer-Abos in die „Lieblings“-Destinationen, Arbeiten an Weihnachten oder anderen Feiertagen oder auch das Echauffieren über die Arbeitsweise von Kollegen oder die bloße Anwesenheit mancher Gäste an Bord. Dabei habe ich den Eindruck, vergessen dann doch viele, welches „Geschenk“ sie eigentlich haben: Das eigene Hobby zum Beruf gemacht haben und mit dem Erstellen von YouTube-Videos so viel Geld zu verdienen, dass man davon mehr als gut genug leben kann – eine Hausnummer, die viele YouTuber, Blogger oder andere Leute mit Internet-Präsenzen wohl nie erreichen werden (dieser Blog wohl auch nie 😀 ). Oder in meinem beruflichen Fall acht Tage im Monat arbeiten, jede Woche einen oder mehrere Tage am Traumstrand in der Dominikanischen Republik oder sonst wo verbringen, teilweise samt Verpflegung und einen Job haben, der trotz der eigentlich immer identischen Arbeitsabläufe jedes Mal komplett anders ist und nie langweilig wird. Weil er am Ende früher oder später dann doch von den Menschen um einen herum in der Röhre bestimmt wird: Gästen wie Kollegen, die sich beide auf jedem Flug ändern. Ein guter Vergleich dazu ist ein Improvisationstheater: Jedes Mal die gleiche Bühne und die gleichen Kommandos führt mit jedes Mal anderen Darstellern zu ganz anderen Aufführungen.

Und klar gibt es immer mal Aufführungen, die weniger Spaß machen und klar gibt es allgemein gesehen wiederum auch Tage, die einem weniger Freude bereiten oder wo am Ende der Wurm drin steckt. Aber ich finde, man darf sich von diesen einzelnen Tagen nicht blenden lassen und das große Ganze hierbei nicht aus den Augen verlieren. Und sollte man jedes schon getan haben – so wie es mir zumindest im oben genannten Video rüberkommen zu scheint, dann wird es höchste Kanone etwas am aktuellen Zustand zu verändern.

Womit wir dann auch wieder bei dem Video von Kelly wären: Ich hab sie ehrlich gesagt nie verfolgt, wobei ich vor Jahren eine Phase hatte, wo ich doch öfter mal in ihre Videos geschaut habe und sie mir eigentlich ganz sympathisch und authentisch rüberkam, weshalb ich von manch anderem eher ein solches Video erwartet hätte als von ihr. Wenn man mal die Kleinigkeiten (Laptop kaputt => sollte lösbar sein; SD-Karte verloren => okay, ist blöd, insbesondere wenn da viel Aufwand hinter dem Material darauf steckte) außer Acht lässt, dann wirft das in mir die folgende Frage auf: Warum tut sie das, was sie gerade tut, wenn sie daran offenbar überhaupt keinen Spaß mehr hat aufgrund des ganzen Stresses? Ich schätze, weil es Faktoren an dieser Tätigkeit gibt, die sie als Vorzüge nicht mehr vermissen mag. Ähnlich sehe ich das bei Kollegen, die sich über Teile des Jobs aufregen, ihn wegen anderen Sachen aber nicht mehr missen möchten. Dann finde ich aber, sollte man sich zusammenreißen und sich selbst die positiven Dinge mehr in den Vordergrund holen – das habe ich schon einen Absatz weiter oben erwähnt. Wenn ich in meine tiefsten YouTube-Träume gehe, dann wäre ich nie auf die Idee gekommen, ein solches Video hochzuladen, selbst wenn ich in so einer Phase wäre, was mich eben an dem ganzen am meisten verwirrt und wo ich der Reaktion von MontanaBlack dazu auch vollkommen zustimme.

Zum Fazit (endlich!): Keine Ahnung. Ich glaube, ich wollte hiermit auch einfach mich selbst mal wieder daran erinnern, nicht nur auf die negativen Dinge im Leben zu schauen, die objektiv betrachtet meist dann doch #firstworldproblems sind, da das einen nicht wirklich voranbringt, sondern eher für das Gegenteil sorgt und bekanntlich ist Stillstand ja Rückschritt. Da gibt es sicher genug Momente, wo ich mir selbst an die Nase fassen kann (vielleicht auch bei diesem Blog) und eventuell ist das ja ein Vorsatz für das kommende Jahr…

Deine Meinung ist gefragt!
Ich bin auf Deine Meinung gespannt: Was hältst Du von Kellys Video und den Meinungen dazu?

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