Ist Informatik das Richtige für mich?

Ich bekam vor einigen Tagen von F. (Name der Redaktion bekannt 😀 ) eine E-Mail mit der Frage, ob denn Informatik das Richtige für ihn sei. Diese Frage lässt sich ja pauschal nicht ganz so einfach beantworten, nach nun vier Semestern (*schluck*) habe ich da aber mittlerweile ja einen Eindruck von, den ich gerne teile, vielleicht ist so auch dem ein oder anderen geholfen… 🙂
Man muss an dieser Stelle dazusagen, dass ich an einer FH bin und nicht an einer Uni. Über den genauen Unterschied kann man sich de facto streiten, viele behaupten, die FH sei praktischer und die Uni theoretischer (mehr in Richtung Forschung), neben einer fehlenden wirklich interessanten Uni in der Nähe war eben jene weit verbreitete Meinung mein Anlass, lieber doch an eine FH zu gehen – ich mag trockene Theorie nicht, sondern will es praktisch anwenden 🙂

Technisches Interesse ist für den Studiengang Informatik ein Muss. Und bei dem Wort Mathematik sollte man nicht zusammenschrecken, wie ein Autofahrer auf der Autobahn, der einen Holländer mit Wohnwagen sieht 😀 . Ich weiß nicht, ob jede Uni/FH die Fächer in der gleichen Reihenfolge hat, doch begann das erste Semester mit dem Programmier-Beginn, Algebra, Mathe und Theoretischer Informatik. Da ich Schul-Algebra nicht sonderlich schlimm fand, hatte ich bei Theoretischer Informatik das größte Übel erwartet, doch am Ende sorgte tatsächlich Algebra für die meisten Nerven – wie ich diese Klausur bestanden habe, weiß ich immer noch nicht 😀 Früher war an meiner FH Algebra erst im 5. Semester, doch nun im ersten ist es ein perfektes Mittel zum Aussortieren, weil ganz ohne ist es wirklich nicht.

Ein weiteres Übel für Erstis ist an dieser Stelle das Programmieren. Für Leute wie mich, die das schon länger machen, hatten zwei Stunden Klausurvorbereitung für eine 1,0 gereicht (*lach*), wirklich neu waren nur die Binäroperationen und binäre Zahlendarstellung etc, was in der Klausur glücklicherweise nicht abgefragt wurde und danach nur seltenst zur Geltung kam. Für Leute, die das noch nie gemacht oder nicht in der Materie sind, behaupte ich es aber als ziemlich herausfordernd innerhalb eines Semesters richtig Programmieren zu lernen – und nebenbei die anderen Fächer…

Hat man das erste Semester überstanden (und auch was gelernt und im Kopf behalten), war das das halbe Studium würde ich sagen 😀 Der Mathe-Kram kommt nur punktuell wieder vor, Programmieren ist aber das A und O. Was jetzt noch an Mathe kommt, ist mit Stochastik und ein paar Funktionen, Graphen und Matrizen zum größten Teil Wiederholung aus der Schule, beim Programmieren wird nach und nach statt auf Java mehr auf C gesetzt, man sollte hier die Kommandozeile und allgemein Linux nicht hassen – verwendet haben muss man es vor dem Studium aber noch nicht, würde ich aus eigener Erfahrung sagen.

Das Programmieren im Studium habe ich gehasst und geliebt zugleich. Geliebt, weil ich doch einiges gelernt habe. Gehasst, weil ich doch einiges gelernt habe. Das sieht man wunderschön, wenn man sich den Code dreier Apps anschauen würde, die ich während dieser Zeit entwickelt habe: Beim Weiterentwickeln von AppList oder PitlaneOne für Symbian (Wissensstand Sem. 1) suche ich mir aktuell immer die schönsten Ausreden dagegen, im Code von Kleine Anzeigen (Wissensstand Mitte 2. Sem.) steckt schon deutlich mehr bewusste Objektorientierung, doch im Vergleich zur zuletzt entwickelten Fußball-App (Wissensstand Mitte 4. Semester) mag ich auch diesen nicht wirklich (auch ein Grund, warum ich mich vor Windows 10 vor der Implementierung des Anzeigen-Einstellen-Features drücken will ^^).

Joa, was kann man sonst noch sagen. Neben Programmieren in Java und C (im Wahlpflichtfach dann mit Objective-C/Swift, alternativ gibt’s da noch C++ und weitere), Mathe und Datenbanken kam ein bisschen Recht und BWL auf den Tisch wie auch Projekt-Management. Wirklich trocken fand ich es nur selten (außer jetzt bei Algebra ^^), da die Aufgaben meist immer einen praktischen Bezug hatten. Zum Beispiel bei Datenbanken die Verwaltung der FH (Fachbereiche haben Gebäude haben Räume usw.) oder zu Scrum hatten wir einen Workshop, wo wir in Teams eine LEGO-Stadt bauen sollten…

Schlussendlich sollte man im Idealfall für Informatik ein helles Köpfchen und natürlich Technik-Interesse mitbringen. Keine Angst vor Gleichungen und Unbekannten zahlt sich aus und vereinfacht das Studium deutlich genauso wie schon vorher erlerntes Programmieren…

Vielleicht kann das ja dem ein oder anderen helfen, sonst wüsste ich grad nicht, was man da noch schreiben könnte… Solltest du dazu noch Fragen haben, hau sie unten in die Kommentare oder schreib mich an 🙂

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