Welcome To New York – Tag 4: Central Park

Der vierte Tag in New York begann leider schon um acht Uhr morgens, denn ich hatte mich für eine 10 Uhr-Tour angemeldet, die den Central Park erkunden sollte. Also verließ ich schweren Herzens das gemütliche Bett nach nur sechseinhalb Stunden Schlaf und machte mich nach dem Frühstück (wieder mit Einsatz von Erdnussbutter, ich fieser Mensch) auf den Weg zum Central Park. Nach ein wenig umherirren erreichte ich – für meine Verhältnisse wie üblich – eine Minute vor Startzeit, also um 9:59 den Treffpunkt, an dem ich zunächst fast vorbeigelaufen wäre.

Unser Führer (höhö; es wird in diesem Eintrag keine Zwischenüberschriften geben, weil es sich einfach nicht lohnt) hörte auf den Namen Garrett und erzählte uns zu Beginn erst einmal einiges über die Gebäude um uns herum, bevor wir den Park überhaupt betraten. Dabei hatte ich nun auch die Möglichkeit, mich mal umzuschauen wo ich denn eigentlich war: Es war die südöstliche Ecke des Central Parks direkt an dem gläsernen Quadrat des Apple Stores, welches eigentlich bekannt sein sollte. Darüber hinaus stand hier auch das Hotel Plaza, in welchem vor zig Jahren Kevin allein in New York gedreht wurde, worauf uns der Guide hinwies. Auch das (aktuell) stockwerkemäßig höchste und in meinen Augen gleichzeitig auch hässlichste Gebäude New Yorks befand sich an dieser Straßenecke, ein Foto davon gibt es im späteren Verlauf des Eintrags.
Anschließend gingen wir über eine stark befahrene Straße, die Central Park South Av, über die ich bereits von der Subway-Station zum Treffpunkt gegangen war und die mich irgendwie an eine natürliche Kuppel erinnerte, die zwei Welten voneinander trennte, ganz ähnlich wie der herunterfallenden Kuppel aus Under The Dome: Während sich auf der nun linken Seite die ganzen eine riesige Wand bildenden grauen und braunen Hochhäuserfassaden befanden, von denen mich gefühlt jede zweite an die Außenkulisse von Hotel Zack & Cody erinnerte, gab es auf der rechten Seite nur grüne Vegetation – Bäume, Büsche und ähnliches. Dies verstärkte eine gewisse Erwartungshaltung, die ich noch aus der Zeit in London mit mir trug, denn als ich dort mal im Regent’s Park zu Besuch war, hatte ich trotz der fünf Gehminuten nicht mehr das Gefühl, mitten in einer Weltmetropole zu sein, sondern draußen auf dem Land. Dafür sorgte damals die Stille im Park, die lediglich von den eigenen Schritten und dem Vogelgezwitscher unterbrochen wurde; Autos waren in keinster Weise zu hören, selbst wenn man wie gesagt nur wenige Minuten in den Park reingegangen war. Und ähnliches erwartete ich auch vom Central Park – jetzt erst recht.

Wir sind nun also in den Park reingegangen, eine Treppe runter, um eine Kurve und blieben stehen – vor einem Felsen. Dieser Felsen war tatsächlich besondererer als gedacht, denn er stellte laut dem Guide den einzigen natürlichen Aspekt des Parks dar und erklärte zudem, warum der Park entstanden war und auch, warum er genau da entstanden war: Ganz Manhattan steht auf einem großen Felsen, welcher die Hochhäuser und Wolkenkratzer da stehen lässt wo sie sind und nicht einsacken lässt. Das Land, wo sich jetzt der Central Park befindet, war zu tief und instabil, als dass das Land größere Gebäude gehalten hätte. Außerdem befand es sich damals zu Entstehungszeiten des Parks im Norden des bisher erschlossenen Teils von Manhattan. Die Fläche des Parks selbst ist tiefer als der Rest der Stadt, was man unter anderem an der erwähnten Treppe nach unten feststellt – man befindet sich vor dem Felsen rund 1,5m unter Straßenhöhe.
Im Umkehrschluss ergab die exklusive Natürlichkeit des Felsen auch, dass alles andere des Central Parks künstlich, also vom Menschen geschaffen wurde, was mich persönlich sehr überrascht hatte.

Vom Felsen aus, welcher noch an einigen Stellen des Parks vorzufinden war, machten wir uns auf den Weg ins Parkinnere vorbei an The Lake, wie der See im Süden genannt wurde. Nach einem kurzen Stopp am Eventbereich, in dem unterschiedliche Rummelplätze oder im Winter die Schlittschuhbahn vorzufinden ist, kamen wir an einem Karussell an, welches eine tiefere Geschichte aufweisen konnte: Ursprünglich wurde das Karussell für die Kirmes auf Coney Island gebaut und fand erst im Laufe der Zeit den Weg in den Central Park, wo es aktuell $3 pro Fahrt kostet, mit denen es sich selbst nicht finanzieren kann, da Ersatzteile aufgrund des Alters so teuer und schwer aufzutreiben sind. Trotzdem wird das Karussell weiter betrieben, auch weil es eine gewisse Tradition darstellt: So erzählte der Guide weiter, dass neben ihm schon sein Vater und sein Opa auf dem Karussell waren und es seine Kinder und Enkelkinder womöglich auch sein werden.

Durch die einzige wirkliche Allee im Central Park, die von einigen Künstlern belagert wurde und auf der seitlich Bänke mit Widmungen vorzufinden waren, die jeder für einen Preis von rund $7.000 aufstellen konnte, ging es durch eine unscheinbare Art von Atelier, welches eine sehr elegant hergerichtete Decke aufweisen konnte, hin zum The Loeb Boathouse. Bei der Lokalität konnte man zu unverschämt teuren Preisen Essen und Getränke erwerben, ich nutzte die dort eingeplante halbstündige Pause einfach nur zum Erholen und auf dem bereits erwähnten Felsen sitzen. Da ein paar andere aus der Gruppe genauso viel Interesse an exklusiven Speisen hatten, unterhielten wir uns in einer kleinen Runde.

Am See vorbei, bei dem man sich für günstiges Geld Boote mieten konnte streiften wir in den kommenden zwei Stunden unter anderem die Bethesda-Fontäne ab, warfen einen Blick auf die eng mit John Lennon verbundenen Dakota Buildings und bestaunten des Öfteren die Mietpreise für die sichtbaren Wolkenkratzer um den Central Park herum. Außerdem machten wir einen kleinen Zwischenstop bei den Strawberry Fields, einem Gedenkort für John Lennon, der eigentlich kein solcher sein sollte, wo einige Beatles-Fans vorzufinden waren, von denen zwei mit Gitarrenbegleitung Let It Be angestimmt hatten. Unser Guide erzählte uns von dem, was auf diesem Platz stattfindet, wenn es sich um den Todestag von Lennon handelt.

Nachdem wir zwei Hochzeiten über den Weg und einen Berg hoch gelaufen waren, kamen wir in Parkmitte bei einer historischen Wetterstation an, die Temperaturen und Niederschläge in der Region so lange misst wie sonst keine andere, sowie am Schloss Belvedere (Belvedere Castle; ich habe das hier nur übersetzt weil es mich an Wien erinnert hat, auch wenn es dazu keinen Bezug hat). Danach ging es glücklicherweise nur noch Berg ab durch die Shakespeare Garden zum Swedish Cottage, einem Gebäude, welches den Amerikanern von den Schweden zum 100-Jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit geschenkt wurde und in bestimmten Zeiten als Puppenspieltheater dient. Das Gebäude war letztendlich eine etwas übergroße Holzhütte, die mich im Nachhinein ein wenig an die Hütten aus dem Survivalgame The Long Dark erinnerte und ein wenig europäisches Flair in das ganze hineinzauberte. Rechts davon war das Delacorte Theater, ein großes kostenloses Freilufttheater, dessen Spielsaison dieses Jahr aber bereits vorbei war.

Vorbei an Cleopatra’s Needle ging es über eine riesige Grünfläche, die zum Teil zu Baseballfeldern umfunktioniert war, und die nach ihrem vorherigen Verwendungszweck als Flughafen oder Parkplatz im Gespräch war. Danach endete die Tour im Westen an der W 86th St, wo zufälligerweise gleich die A/C-Linien nach Brooklyn fuhren, was für mich eigentlich auch das Ende des Tages bedeutete, denn es war mittlerweile halb drei und ich einfach nur müde und erschöpft…

Dem aufmerksamen Leser wird womöglich aufgefallen sein, dass dieser Blogeintrag länger auf sich warten ließ sowie am Ende ziemlich komprimiert war. Dies lag in erster Linie daran, dass ich echt Motivationsprobleme hatte, diesen Eintrag fertig zu schreiben, einfach weil ich den Central Park irgendwie unfassbar öde fand. Der Erwartung der Stille, die ich oben erwähnt hatte, konnte er nicht ansatzweise gerecht werden, denn das Rauschen der Stadt war eigentlich überall wahrzunehmen, zudem habe ich auch gelernt, nie mehr längere Touren als drei Stunden zu machen, weil irgendwann die Aufnahmefähigkeit einfach nicht mehr da ist und das Interesse ebenso schwindet. Ob da jetzt der Ort, der Guide oder meine Erschöpfung im Allgemeinen dran Schuld sind oder waren, sei jetzt mal dahingestellt…

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