Kommentar: Ist Windows 8 wirklich Schuld am schrumpfenden PC-Markt?

Wie unter anderem ZDNet.de heute berichtet, haben die Analysten von IDC die Absatzzahlen für das beendete Quartal für den PC-Bereich bekanntgegeben. Deutlich zu sehen ist eine fallende Tendenz um weltweit im Schnitt 13,9%, das tiefste Tief seit dem Start der Erhebungen im Jahr 1994.
Dabei macht IDC eindeutig Windows 8 als Ursache für den fallenden Markt verantwortlich: Die Änderungen im Vergleich zu Windows 7 und eigentlich allen vorhergehenden Betriebssystem seit Windows 95 seien für die Nutzer zu viel auf einmal und damit abschreckend gewesen. Auch die Kosten für Touch-PCs seien im Vergleich zu Tablets zu hoch und sorgen für ein geringeres Interesse der Konsumenten.

Windows 8 - Modern UI

Zwar verachte ich Windows 8 über alles und mag die Oberfläche wie auch das System überhaupt nicht, trotzdem glaube ich nicht, dass nur Windows 8 Schuld an diesem Einbruch ist. Denn allgemein ist der PC-Markt in den letzten Jahren eingeschlafen: Während es zeitweise Schlag auf Schlag ging und neue Technologien, Anschlüsse (HDMI, USB, SATA), Prozessor-Generationen (DualCore, QuadCore), etc. gab, ist die Entwicklung in diesem Bereich nicht mehr fortgeschritten – denn sie ist teilweise nicht notwendig, weil der PC mittlerweile so fortgeschritten und perfektioniert (negativ formuliert „ausgelutscht“) ist, dass man daran kaum großartige Veränderungen machen kann, die zum Kauf eines neuen PCs animieren würden (vielleicht abgesehen von einem PC, der bei gleicher Leistung nur ein Zehntel der Energie verbraucht, wie jetzige Generationen). Neukäufe sind daher eigentlich nur für die interessant, die mit wirklich alter Technik unterwegs sind (>3-4 Jahre), wie zum Beispiel ich mit meinem Netbook, was ich hoffentlich bald gegen ein MacBook austausche. Bei meinem Desktop-PC habe ich jedoch nur ein Grafikkarten-Upgrade vor, der restliche, vor 1 1/2 Jahren gekaufte Teil (QuadCore 3,2GHz, 8 GB RAM, USB 3.0) entspricht auch dem heutigen „Standard“.

Zwei weitere Nachteile hat der PC-Markt, vor allem Desktop-PCs, im Gegensatz zum boomenden Smartphone- oder Tablet-Markt: Prestige und Standort. Wenn ich 1500 Euro für den neuesten iMac ausgebe, steht er schön zu Hause herum. Kaufe ich mir jedoch das neueste iPhone oder Galaxy S4, kann ich überall zeigen, dass ich auf dem neuesten Stand der Technik bin und mir das neueste vom neuesten zu den (teilweise unglaublichsten) Preisen leisten kann. Das kann ich mit dem iMac nicht, denn ich kann ihn nicht mit in die Kneipe oder die Bahn mitnehmen…
Dadurch nutze ich das iPhone/Galaxy S4/etc. auch deutlich mehr, personalisiere es mehr, finde immer mehr Dinge, die ich damit erledigen kann, die ich bisher mit dem PC machen musste. So gerät der PC immer mehr in den Hintergrund.

Schlussfolgernd war der Ansatz von Microsoft sogar richtig: Man hat die Lage des PC-Markts erkannt und mit Windows 8, einer kompletten Neuerung versucht, den Markt wieder zu beleben und das Interesse zu steigern. Es stellt sich nur die Frage, ob einerseits die tatsächliche Umsetzung richtig war/ist und ob es andererseits für so einen Schritt nicht mittlerweile zu spät gewesen ist. Mindestens eine der beiden Aussagen muss anhand der Zahlen von IDC bejaht werden…

Ein Kommentar zu “Kommentar: Ist Windows 8 wirklich Schuld am schrumpfenden PC-Markt?

  1. Schöner Artikel! Ich persönlich finde Windows 8 gar nicht so schlecht. Ich denke, Microsoft wollte mit Win8 vorallem den Sprung auf die Tablets schaffen. Man kann sagen was man will aber Windows 8 ist (gerade auf den Surface Tablets) ein vollwertiges Computer-Betriebssystem, dass sich mit den Fingern bedienen lässt. Ja, das iPad bietet auch viele Funktionen und ich liebe es, aber es ist keine “Arbeitsmaschine”. Ich denke Microsoft hat mit Win8 zumindest einen Schritt in die Tür zum boomenden Tablet-Markt gesetzt.

    Das Problem ist m.E. nur, dass man die “herkömmlichen” PC’s irgendwie vergessen hat. Die Kacheloptik ist eher für Touchscreens gedacht, klassische Anwender vermissen den Start-Button und und und… Ich kann mir nicht vorstellen, dass gerade die Firmen-Kunden auf solche Kacheln stehen…

    Und du sagst es ja: Mit den Tablets lässt sich heute so viel machen – wer kauft sich da noch regelmäßig nen neuen Desktop-Rechner.
    Mein MBP ist nun schon 5 Jahre alt und ich hab’ nicht vor es in den nächsten 2 Jahren zu ersetzen 🙂

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